ProSiebenSat1: Keine Angst vor Heuschrecken

Verkauft. Mehr als drei Milliarden Euro zahlen KKR und Permira für die Mehrheit am TV-Konzern.

Der Axel Springer Verlag muss seine Träume von der Mehrheit am größten deutschen TV-Konzern ProSiebenSat1 endgültig begraben. Nachdem vor einem Jahr das Bundeskartellamt die von Springer geplante Übernahme verhindert hatte, blieb dem Verlagshaus zuletzt die Hoffnung, zumindest indirekt über den türkischen Medienkonzern Dogan zu reüssieren (Springer hält 25% an der Sendergruppe Dogan TV). Aber die Türken hatten im Bieterverfahren letztlich das Nachsehen. So wie auch Apax/Goldman Sachs, die ebenfalls mitboten, aber ausgestochen wurden. Den Zuschlag erhielten - für mehr als drei Milliarden Euro - die britische Permira und der US-Fonds KKR.

Bei wem werden also jetzt die Sektkorken knallen? Bei Haim Saban und den mit ihm verbandelten Finanzinvestoren, weil sie bei einem kolportierten Verkaufspreis von 3,3 Milliarden Euro um knapp zwei Milliarden Euro mehr lukrieren, als sie erst vor drei Jahren selbst für die 50,5% am Konzern bezahlt haben. Bei KKR und Permira, weil man zwar nur knapp mehr als die Hälfte der Anteile an ProSiebenSat1 erwirbt - aber 88% der Stammaktien, was dem Mehrheitseigentümer eine deutliche Stimmenmehrheit in der Hauptversammlung sichert.

Aber auch bei Guillaume de Posch, dem Vorsitzenden der ProSiebenSat1 Medien AG, und bei den Mitarbeitern des Konzerns, die auf den Einstieg von KKR und Permira gehofft hatten: Zum neuen Mehrheitseigentümer gehört nämlich auch die TV-Senderkette SBS (die in Skandinavien, den Benelux-Staaten und Osteuropa 19 TV-, 20 Pay-TV- und zahlreiche Radio-Sender betreibt). Und die SBS dürfte mit der ProSiebenSat1-Gruppe verschmolzen werden. Dann wäre der Konzern die zweitgrößte TV-Gruppe Europas - nach der RTL-Group -, samt damit verbundenen Synergie-Effekten.

KKR und Permira zahlen laut einer mit den Verhandlungen betrauten Person rund 29 Euro je ProSiebenSat1-Aktie. Damit wird die Sendergruppe (zu der Pro7, Sat1, Kabel1, N24 und 9Live gehören, die gemeinsam einen Marktanteil von etwa 30 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichen) insgesamt mit 5,7 Milliarden Euro bewertet. Die Investorengruppe um Saban hatte bei ihrem Einstieg nur etwa 7,50 Euro pro Aktie bezahlt. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2007 abgeschlossen werden.

KKR und Permira gehören zu den weltweit größten Finanzinvestoren - zu Beteiligungsunternehmen, die in Deutschland als "Heuschrecken", die alles fressen und dann weiterziehen, gefürchtet werden. Die Mitarbeiter von ProSiebenSat1 hätten diese Sorge aber in Hinblick auf Permira und KKR nicht, schreibt die "Zeit". Vielmehr hoffe man auf die SBS-Fusion und darauf, endlich dem Hauptkonkurrenten RTL auf Augenhöhe die Stirn bieten zu können.

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