Kampusch: 1. Interview ohne Gesicht

TV-Auftritt am Mittwoch. Natascha Kampusch ist zu einem ORF-Auftritt und zu ersten Interviews bereit. Gleichzeitig lässt sie diverse Medien-Klagen vorbereiten.

Wien. Am Mittwoch will Entführungsopfer Natascha Kampusch erstmals persönlich in ausgesuchten (und gut zahlenden) Medien über ihr Schicksal sprechen. Die junge Frau hat dabei bereits ihr Leben nach dem Medien-Hype im Visier. Ihr Gesicht soll bei den Interviews nicht gezeigt werden, oder zumindest nicht so, "dass sie danach auf der Straße erkennbar sein wird", wie Dietmar Ecker, Medienberater der 18-Jährigen, der "Presse" bestätigt.

Den Zuschlag für die Interviews erhielten nun definitiv, wie "Die Presse" bereits am Wochenende berichtete, ORF, "Kronen Zeitung", und "News". Der österreichische Rundfunk wird für das Interview nichts bezahlen, soll dieses aber durch Verkauf an andere TV-Stationen für Natascha Kampusch zu Geld machen. Der Sendetermin: Mittwoch, 20.15 Uhr, ORF 2, "Thema Spezial".

"Krone" und "News" hätten laut Ecker ein Paket geschnürt, "das Frau Kampusch langfristig sozial absichert". Dabei soll es sich um eine Kombination aus Ausbildung, Beruf, Wohnen und direkter finanzieller Unterstützung handeln.

Gleichzeitig kündigte Kampusch-Anwalt Gabriel Lansky im "Presse"-Gespräch an, dass seine Kanzlei derzeit "jede Menge" Klagen gegen Medien vorbereite. Im Zentrum stehe die "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches" seiner Mandantin. Die Veröffentlichung von bestimmten Bildern des Opfers würden "die Bildrechte von Frau Kampusch verletzen", meint der Anwalt. Er gesteht aber ein, dass dies "eine Rechtsfrage" sei - im Klartext: Es kommt letztlich auf die Beurteilung durch das Gericht an.

"Schutzwürdige Interessen" des Opfers würden auch dann verletzt, wenn man Fotos von dem Verlies zeige. Auf den derzeit kursierenden Fotos sind etliche Kleidungsstücke der Frau zu sehen - und außerdem habe Natascha Kampusch das Verlies ausdrücklich als "mein Raum" bezeichnet.

Wie viele Klagen letztlich eingebracht werden bzw. wie hoch die Entschädigungs-Ansprüche sein müssten, konnte Lansky vorerst nicht sagen.

Eine mögliche Interessens-Kollision hat Lansky mittlerweile umschifft: Er selber hatte zuletzt unter anderem auch "News" vertreten. Gerade dieses Medium hatte mit dem Titel "Das Protokoll des Grauens" für Empörung gesorgt. Und sich der Gefahr einer Klage ausgesetzt.

Dazu nun Lansky: "Diesen Teil der Vertretung von Natascha Kampusch haben wir an einen anderen Anwalt abgetreten. Diesem hat Frau Kampusch schon am Freitag einen Klags-Auftrag erteilt." Zu der Frage, um welchen Anwalt es sich handle, sagt Medienberater Ecker: "Der Betreffende ersucht ausdrücklich darum, dass sein Name nicht genannt wird."

Ecker gibt zu, dass das Klagen und gleichzeitige Verkaufen eines Interviews "diskussionswürdig" sei. Allerdings: "Zum einen hat sich ,News' bei Frau Kampusch für ,Missverständnisse' in der Berichterstattung entschuldigt, zum anderen hat die Verlagsgruppe ein gutes Angebot gemacht." Die Frage, ob eine Entschuldigung bei Frau Kampusch nicht einem Schuldeingeständnis gleich komme, wollte Ecker nicht beantworten. "Das sollen die anderen Medien tun." Bei "News" war Montagnachmittag in der Verlagsleitung niemand für "Die Presse" erreichbar.

Laut Jugendanwältin Monika Pinterits (auch sie gehört Natascha Kampuschs Beraterstab an) sei es ihrer Klientin ein "persönliches Anliegen" nun ihre Geschichte zu erzählen. Andererseits wolle sie sich aber auch selbst eine "menschenwürdige Zukunft" sichern. Auch aus diesem Grund wolle sie ihr Gesicht nicht im Fernsehen zeigen.

Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt vermutet, dass Kampusch die Situation nutzen wolle, dass noch niemand ihr jetziges Gesicht kenne. "Die Frage ist, wie lange sich so etwas durchhalten lässt." Die Jagd der Fotografen auf Frau Kampusch würde so erst richtig beginnen.

Die Aufnahme von Natascha Kampusch in ein Zeugenschutzprogramm ist aus formalen Gründen nicht möglich. Lang: "Wir haben ihr aber Hilfe angeboten, was den Schutz ihrer Identität betrifft." Von diesem Angebot habe sie aber bisher keinen Gebrauch gemacht.

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