Tausende Kinder in der EU vermisst

Auf einer Internetseite werden die Fotos langjähriger Vermisster künstlich gealtert.

Brüssel. Natascha Kampusch ist kein Einzelfall. Jährlich verschwinden in der Europäischen Union und den USA Tausende Kinder. Manche tauchen erst nach Jahren, manche nie wieder auf. Viele der Kinder verlassen zwar freiwillig ihr Elternhaus, doch auch sie werden ebenso wie entführte Minderjährige nicht selten Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch.

Laut EU-Kommission sind 2005 allein in Italien 1850 Kinder als vermisst gemeldet worden. In Belgien waren es 1022. In Großbritannien werden jährlich schätzungsweise 70.000 Kinder gesucht. Die meisten haben Reißaus genommen. Doch nicht alle: Auf der britischen Insel wurden im Vorjahr 846 Fälle von Kindesentführung registriert. Angesichts des wachsenden Problems hat die EU-Kommission im Juli einen Aktionsplan vorgelegt, der vor allem einen besseren Schutz der Rechte von Kindern vorsieht. Außerdem soll eine europäische Telefon-Hotline für Opfer von Misshandlungen und Entführungen eingerichtet werden.

Da die Suche nach den vermissten Kindern oft Jahre dauert, wurde in den USA eine Software entwickelt, die Vermisste auf den im Internet veröffentlichten Fotos künstlich altern lässt. Diese Software kommt nun auch auf Internetseiten in Europa zur Anwendung. Laut dem amerikanischen "National Center for Missing and Exploited Children" sind durch diese Technologie allein in den USA bereits 200 verloren geglaubte Kinder wiedergefunden worden.

"Meine verlorene Kindheit"

Für Kinder, die monate- oder gar jahrelang festgehalten und misshandelt wurden, ist der Weg zurück in ein normales Leben oft schwierig. Die Belgierin Sabine Dardenne hat ihre schrecklichen Erlebnisse im Keller des Kinderschänders Marc Dutroux in einem Buch niedergeschrieben. Untertitel: "Meine verlorene Kindheit". Das Mädchen war achtzig Tage eingesperrt gewesen. Dutroux, der mehrere Minderjährige ermordet und in seinem Garten vergraben hatte, wurde 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zehn Jahre lang musste die heute 24-jährige Amerikanerin Tanya Nicole Kach auf ihre Befreiung warten. Sie hatte sich freiwillig in die Wohnung eines Wachmanns bringen lassen. Dort wurde sie im Schlafzimmer festgehalten und laut den Berichten der Polizei regelmäßig sexuell missbraucht. Als sie im Frühjahr dieses Jahres auftauchte, befürchtete sie, dass ihr niemand mehr glaubt, die Gesuchte zu sein. Sie war lediglich wenige Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt festgehalten worden.

www.missingkids.com

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