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Rauchen: Süchtig durch Entwöhnungsmittel?

Eine Studie untersuchte ein Nikotinentwöhnungsmittel auf sein Suchtpotenzial hin.

Unter der Palette von Raucherentwöhnungsmitteln hat "Zyban" in der Regel gute Effekte: 30 bis 39 Prozent der Nikotinsüchtigen, die dieses Medikament unter ärztlicher Anweisung einnehmen, sind nach einem Jahr noch immer abstinent. Eine Studie der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie hat nun aber gezeigt: Der in Zyban enthaltene Wirkstoff Bupropion stellt für bestimmte Personen ein Suchtpotenzial dar. Die vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank geförderte Untersuchung wurde an 50 Rauchern zwischen 18 und 65 Jahren durchgeführt.

"Sechs Prozent der Probanden hatten nach Einnahme des Medikaments deutliche ,High-Gefühle'", sagt Studienleiter Univ.-Prof. Dr. Gerald Zernig, Leiter der Abteilung für Neurochemie der Innsbrucker Universitätsklinik. Auch erlebten sie ein "angenehmes Wohlgefühl". Den Personen wurden als Vergleichssubstanz entweder Koffein als weit verbreitetes Genuss- und Suchtmittel (Kaffee, Cola, Energy Drinks) oder Placebo verabreicht. Die Probanden protokollierten stündlich ihr Befinden. Weder sie noch die Tester wussten, an welchen Tagen welche der Substanzen verabreicht wurden (Doppelblind-Studie). Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass Koffein in einer Menge, die zwei Tassen starkem Kaffee entspricht, bei der getesteten Rauchergruppe deutlich stärkere "angenehme Effekte" und "high-Gefühle" produzierte als Bupropion.

Bei zwei kleinen Untergruppen von jeweils sechs Prozent jedoch verursachten Bupropion oder Koffein "angenehme Effekte", die neunmal höher waren als die Wirkung eines Placebos. Das Problem dabei: "Koffein ist ein kaum toxisches Suchtmittel, Bupropion hingegen schon", so Zernig.

Er appelliert an alle Raucher, die in den letzten drei Jahren mehr als eine Zyban-Entwöhnungskur durchgeführt haben, sich mit einem Arzt in Verbindung zu setzen. Wenn jemand mehrmals die jeweils neun vorgeschriebenen Wochen das Präparat eingenommen hat, könne ein unbewusstes Suchtverhalten nach Bupropion nicht ausgeschlossen werden. Von Seiten der Hersteller heißt es, man wolle sich über die Studie näher informieren. (suk)