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Macht oder Verantwortung

Obszön hohe Gagen: Stürmen wir doch die Hauptversammlungen.

Da ist etwas völlig aus dem Ruder gelaufen. Erst glaubt man beim Lesen, es handle sich um einen doppelten Druckfehler. Ein Autokonzern (Porsche) macht bei rund sieben Mrd. € Umsatz mehr als vier Mrd. € Gewinn. Und: Die Jahresgage des Unternehmenschefs beträgt 60 Mio. €.

Porsche hat mit der Spekulation von VW Aktien deutlich mehr als mit dem Verkauf von Autos verdient. Der Kapitalismus „runs crazy“. Allein in Deutschland wird bereits das 50-fache der gesamten Wirtschaftsleistung mit Finanzwerten umgesetzt.

Öbszön hohe Gagen werden aber nicht nur erfolgreichen Managern gezahlt, sondern nahezu allen, auch jenen, die Milliardenverluste „verantworten“. Werden sie öffentlich gefragt, wie sie solche abartig hohen Summen rechtfertigen, fällt immer ein Wort: „Ich trage große Verantwortung“.

Verantwortung, was ist das? „Verantwortung bedeutet,“ so ein Lexikon, „die Folgen für eigene oder fremde Handlungen zu tragen. Sie drückt sich darin aus, bereit und fähig zu sein, später Antwort auf mögliche Frage zu deren Folgen zu geben.“ Worin bestehen nun „Folgen eigener Handlungen“ von Spitzenmanagern? Solange sie nicht strafrechtlich belangt werden können, winkt bei Versagen eine Superabfertigung.

„Ich trage Verantwortung!“; werden hier nicht zwei Begriffe verwechselt? Müssten sie nicht sagen: „Ich habe die Macht, vieles durchzusetzen“.

Jüngst meinte Verteidigungsminister Darabos, er übernehme die Verantwortung für den Tschad-Einsatz. Nein, die „Verantwortung“, die Folgen, tragen jene Soldaten, die dort möglicherweise ihr Leben lassen. Darabos hat die „Macht“ es anzuordnen. Die Folgen tragen andere.

Die Folgen der Entscheidungen jener Manager, die sich die Bürde ihrer „Verantwortung“ mit Millionen versüßen lassen, tragen jene Angestellten, die gekündigt werden, wenn die Entscheidung falsch war. Es geht nur um die Macht, sein persönliches monetäres Interesse durchzusetzen.

Ginge es auch anders? Die Vorstände des erfolgreichsten Autokonzerns der Welt (Toyota) sacken keine Millionen ein, sondern bescheiden sich mit 260.000 Euro. Soviel zum Wehklagen, ohne Millionengagen fände man keine fähigen Leute.

Stürmen wir die Hauptversammlungen!


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)