Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schönheits-OP: Wenn Kinder vom Traumkörper träumen

(c) Reuters
  • Drucken

Jedes fünfte Kind zwischen neun und 14 wünscht sich eine Schönheitsoperation. Politik und Ärzte sind sich einig: Der Schönheitswahn muss gebremst werden.

Berlin/Wien (zoe).Beine wie Heidi Klum, Oberarme wie Madonna und einen Schmollmund wie Angelina Jolie – immer mehr Menschen erfüllen sich ihren Traum vom Traumkörper und lassen sich einzelne Körperpartien maßschneidern. Alarm schlagen nun Deutschlands Ärzte, weil viele der Patienten, die sich unters Messer plastischer Chirurgen legen, eigentlich noch viel zu jung für kosmetischen Eingriffe sind.

Jährlich lassen sich etwa 100.000 unter 18-Jährige die Brust vergrößern oder die Nase richten, berichtet die Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen. Den Wunsch, sich mit fremder Hilfe verschönern zu lassen, hegt laut Umfrage sogar jedes fünfte Kind zwischen neun und 14 Jahren. Politiker und Ärzte sind sich einig: Der Schönheitswahn von Teenager muss gebremst werden.

Ob ein generelles Verbot von Schönheits-OPs für unter 18-Jährige die richtige Antwort auf das gesundheitliche Problem ist, darüber streiten die Parteien in Berlin noch. SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will jedenfalls strengere Regeln. Schon vor zwei Jahren wurde die Werbung für Schönheits-OPs eingeschränkt.


Verantwortlichkeit der Ärzte

Experten fordern jedenfalls Beratungsgespräche, die besser über Risiken und mögliche Komplikationen aufklären. Der Präsident der Internationalen Gesellschaft für ästhetische Chirurgie, Werner Mang, ist zwar der Ansicht, dass „der Schönheitswahn schleunigst gestoppt werden muss“. Er appelliert aber an die Ärzte, verantwortungsvoll zu agieren. „Dass es Ärzte gibt, die 12- und 13-Jährigen, die noch im Wachstum sind, Silikon-Implantate einpflanzen, ist mehr als unverantwortlich“, meint der Arzt.

Kopfzerbrechen macht auch die Unterscheidung zwischen nötigen und unnötigen chirurgischen Eingriffen. Die Grenzen sind alles andere als klar. Ist ein Kind etwa nach einem Unfall entstellt, muss eine kosmetische Operation erlaubt sein. Ebenso wie die Korrektur von abstehenden Ohren, weil das Kind darunter leidet.

Hier könnte man sich am Leitfaden der Krankenkassen orientieren, schlägt die CDU vor. Eine Ohrenoperation wird etwa aus psychologischen Gründen bezahlt, nicht aber aus rein kosmetischen. Strenge Richtlinien würden aber nur zum Schutz der Teenager eingeführt, so die Ärzteschaft. Denn sie könnten später unter der Uninformiertheit oder den vorschnellen Entscheidungen ihrer Eltern leiden. Ab 18 könne dann jeder selbstständig entscheiden.


Piercings bei Volksschülern

Sorgen bereiten der Ärzteschaft auch Modetrends wie Piercings und Tätowierungen, die bereits unter Volksschülern verbreitet seien. In 20 Prozent der Fälle komme es dabei zu Komplikationen, warnt der Berufsverband deutscher Kinderärzte. Auch das Stechen von Ohrlöchern bei Säuglingen sei mit Skepsis zu betrachten.

Derzeit brauchen Minderjährige in Deutschland, die sich einer Schönheitsoperation unterziehen wollen, die Unterschrift ihrer Eltern. Eine vorherige medizinische Begutachtung ist nicht nötig. Ähnlich ist die Situation in Österreich: Teenager müssen von ihrem gesetzlichen Vertreter grünes Licht für den Eingriff bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2008)