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Religion al dente

Die Nudeljünger der Pastafaris wollen offiziell als religiöse Bekenntnisgemeinschaft missverstanden werden. Das hätte durchaus seine Reize.

Also ich finde es gut, dass die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters ihre Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft beantragt haben. Gerade weil es sich bei ihnen um die Parodie einer Religion handelt. Denn das wirft spannende Fragen auf. Etwa: Warum kümmert sich der Staat überhaupt um Religion? Und was ist Religion?

Die muntere Nudeltruppe, die sich Pastafari nennt, versucht als kirchenkritische Bewegung zu zeigen, dass zwischen dem Glauben an den Gott der Christen und dem Glauben an ein Spaghettimonster kein qualitativer Unterschied besteht. Der Staat dürfe daher das eine nicht ernster nehmen als das andere. Darf also der Staat die Pastafari weniger ernst nehmen als echte Religionen? Eher ja – schon deshalb, weil Religion einen Glauben voraussetzt, nicht bloß eine Mythologie. Natürlich gibt es etwa auch unter den Katholiken viele, die gar nicht glauben. Aber die für eine Bekenntnisgemeinde vorgeschriebenen 300 Gläubigen würde man unter den Katholiken in Österreich wohl finden. Bei der Pasta-Religionsparodie wäre echte Gläubigkeit aber eine Art Häresie.

Allerdings habe auch ich als Christ Momente, wo mein Glaube versagt und ich mich frage, ob ich mir nicht nur alles einrede. Aber dann halte ich mich an den Satz aus dem Hebräerbrief: „Glaube ist Feststehen in dem, was man erhofft.“ Ich hoffe also in diesen Momenten, dass ein gütiger Gott mich liebt und mir einmal die ultimative Geborgenheit und Freiheit geben wird. Hofft irgendein Pastafari, dass ihn eine schwebende Teigware erschaffen hat, die seine irdischen Mühen dereinst mit einem Biervulkan belohnt?

Ich fände es reizvoll, würde die Pastasekte für bare Münze genommen und ermuntert, mehr Kulttreue in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wie der New Yorker Stadtrat und Pastafari Christopher Schaeffer, der bei der Vereidigung ein Sieb auf dem Kopf trug. Niko Alm, die hierzulande bekannteste Frohnatur mit besiebtem Haupt, hat ja leider einen Gang zurückgeschaltet. Seit er Abgeordneter für die Neos ist, hat er seinen Vorsitz bei den Nudeljüngern abgegeben, denn dieser lasse sich nicht mit der Trennung von Kirche und Staat vereinbaren, sagt er laut APA.

So verwirrt sind also selbst Leute, die viel Zeit dem Nichtanbeten von Nichtgöttern widmen: Als Abgeordneter ist Alm ja nicht Funktionär des Staates, sondern des Volkes. Und eine Trennung zwischen Religion und Volk gibt es nicht. Deswegen kümmert sich übrigens der Staat um Religion: weil sie großen Teilen des Volkes etwas bedeutet. Und deswegen bin ich für eine andere Trennung – die von Religion und Spaghetti.


Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.

meinung@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2014)