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Stadtplan: No, Mister Krugman!

Darf man einem Nobelpreisträger widersprechen?

Noch dazu einem, der zur raren Minderheit der Ökonomen gehört, die sich mit verständlichen Argumenten in die öffentliche Debatte einbringen, statt bloß hoch abstrakte mathematische Modelle zu konstruieren?

Paul Krugman hat 2008 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Wiederholt hat er, ein klarer Unterstützer des neuen US-Präsidenten, in den letzen Wochen das Ausmaß des US-Konjunkturpakets kritisiert. Seine Argumente waren exakt konträr zu jenen der Republikaner, die es als zu groß bezeichnet und deswegen abgelehnt haben. Für Krugman, hier trifft er sich mit beinahe allen Ökonomen, ist das Paket notwendig, aber viel zu klein.

Denn, so schrieb er jüngst in der „New York Times“, 800 Mrd. Dollar, das beschlossene Paket, seien viel zu wenig angesichts der Tatsache, dass die Kluft („gap“) zwischen dem, was die US-Wirtschaft produzieren könnte, und dem, was sie produzieren wird, kaum vorstellbare 2,9 Billionen (zur völligen numerischen Verwirrung: Amerikaner bezeichnen das mit 2,9 Trillion Dollar) beträgt.

Es geht nicht um die Summen, die alles übersteigen, was jemals ein „Konjunkturpaket“ war, es geht auch nicht um die ökonomische Frage, ob damit die US-Verschuldung überhaupt noch finanzierbar ist. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres. Hat Politik die Aufgabe, den Konsum von Häusern, Autos, Eiskästen etc. dem anzupassen, was die Wirtschaft produzieren könnte?

Eine erschreckende Zahl aus heimischen Gefilden. In Niederösterreich ist in den letzten Jahrzehnten die Bevölkerung um rund fünf Prozent gewachsen, die Anzahl der Häuser um nahezu 50 Prozent. Ein Häusergulasch bedecke das Land, meinte jüngst ein Raumplaner. Nein, es ist nicht Aufgabe der Politik, ein gesellschaftliches Subsystem, „die Wirtschaft“, so zu behandeln, als sei ihr Wachstumszwang das Einzige, das es zu bedienen gelte, und alles andere habe sich dem unterzuordnen.

Sorry, Mr. Krugman, es ist eine Horrorvorstellung, alle Häuser, Autos, Straßen, Kraftwerke etc. produziert zu sehen, die „unsere Wirtschaft“ produzieren könnte.

Es gibt nicht nur Quantitäten, es gibt auch Qualitäten. Es gibt nicht nur Wirtschaftswachstum, sondern auch sehr viel anderes. Kultur zum Beispiel, und die hängt nicht bloß an der Frage, wer sie, bitt' schön, finanzieren solle. Es gibt, das ist das Gute an der Krise, viel zu diskutieren dieser Tage.

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2009)