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Wien-Wahl: Kampf um Platz eins laut Experten noch offen

Strache (links) und Häupl bei der TV-Diskussion der Spitzenkandidaten
Strache (links) und Häupl bei der TV-Diskussion der SpitzenkandidatenAPA/GEORG HOCHMUTH
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Sowohl ein SPÖ-Sieg mit "Respektabstand" als auch ein knapper erster Platz für die FPÖ ist am Sonntag möglich, sagen Meinungsforscher.

Der Ausgang der Wiener Landtagswahl am Sonntag ist laut Meinungsforschern noch nicht klar einzuschätzen - auch wenn ein Blick auf die bisherigen Umfragen das Halten von Platz eins durch die SPÖ vor der FPÖ wahrscheinlich erscheinen lässt. Es sei sowohl ein "Respektabstand" zwischen SPÖ und FPÖ möglich, aber auch, dass die FPÖ knapp vorne liegt, sagte etwa Meinungsforscher Peter Hajek.

Man könne in den Umfragen, die nach der vor zwei Wochen erfolgten Oberösterreich-Wahl durchgeführt wurden, bei der FPÖ einen gewissen "Nachzieh-Effekt" beobachten, meinten Hajek und auch der Polit-Berater Thomas Hofer. Die Befragten würden sich an den Wahlsieger "anhängen", daher erfahre die FPÖ als Partei mit den größten Zugewinnen in Oberösterreich nun auch in den Umfragen für Wien Auftrieb. Bis zur oberösterreichischen Landtagswahl sei der Abstand laut Umfragen relativ stabil gewesen, so Hajek. Nach der Wahl habe sich das Bild insofern geändert, dass SPÖ und FPÖ zusammengerückt seien - zumindest in drei der danach veröffentlichten Umfragen für Wien.

Man könne aber nicht beantworten, ob dieser Effekt auch bis zum Wahltag anhält, sagte Hajek. Eine vergangenes Wochenende im "Kurier" publizierte OGM-Umfrage zeigte dann auch wieder einen Abstand von vier Prozentpunkten zwischen SPÖ und FPÖ. "Und deshalb ist beides möglich, sowohl ein Respektabstand oder auch, dass die FPÖ knapp vorne ist", sagte der Meinungsforscher.

Häupl als "Anti-Strache"

Für taktisch geschickt hält Hofer das Vorgehen der SPÖ, sich in der Flüchtlingsfrage klar gegen die FPÖ zu positionieren. "Es ist völlig klar, dass das Bürgermeister Michael Häupl ganz anders angelegt hat als (Burgenlands SP-Landeshauptmann Hans, Anm.) Niessl und (Oberösterreichs ÖVP-Landeshautpmann Josef, Anm.) Pühringer." Häupl habe sich klar als "Gegenmodell zur FPÖ, als Anti-Strache" positioniert und sich für taktische Wähler attraktiv gemacht. Damit habe sich der Bürgermeister "für Wähler von Grünen, NEOS und auch dem linkskatholischen ÖVP-Bereich" als wählbar positioniert, so Hofer. "Damit kann er Platz eins möglicherweise drüberretten."

Häupl wisse, dass durch seine klare Positionierung in der Flüchtlingsfrage einige Wähler von der SPÖ in Richtung FPÖ weggehen werden, so der Polit-Berater. Andererseits gebe es in der SPÖ die Erwartung, dass sie dadurch auf der anderen Seite wieder viele Stimmen hereinhole. Hofer meinte, dass das SP-Ergebnis in Wien durch dieses Vorgehen sogar deutlich besser sein könnte als ohne eine derartige Positionierung: "Die Lage der SPÖ ist schlimmer als das Wahlergebnis am Sonntag suggerieren wird."

SPÖ wählen, "um Strache zu verhindern"

Ähnlich sieht dies OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, wobei er weniger die Positionierung Häupls in der Flüchtlingsfrage als ausschlaggebend ansieht, sondern vielmehr den Wunsch vieler Wähler, die FPÖ als Nummer eins zu verhindern - bzw. deren Chef Heinz-Christian Strache als Bürgermeister. "Wählt mich, um Strache zu verhindern" sei Häupls Ansage gewesen. Die Flüchtlingsfrage hält Bachmayer für weniger ausschlaggebend, weil die Mehrheit hier "sorgenvoll bis kritisch eingestellt" sei, sagte der OGM-Chef. Stimmen kosten wird diese Zuspitzung zwischen Rot und Blau den anderen Parteien, so die Meinung der Experten.

(APA)