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Trotz Todesopfern: Weiter Proteste in Teheran

Proteste in Teheran
(c) REUTERS (Reuters Tv)
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Die Oppositionsproteste nach der Präsidentenwahl im Iran fordern immer mehr Opfer, die Zahlen schwanken zwischen zehn und 300 Toten alleine am Samstag. Die Proteste am Sonntag scheinen bisher friedlich zu verlaufen.

Bei Straßenschlachten in der iranischen Hauptstadt Teheran sind staatlichen Fernsehsendern zufolge mehrere Menschen ums Leben gekommen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei seien am Samstag zehn Personen getötet worden. Wie der Sender am Sonntag berichtete, wurden mehr als 100 verwundet. Ein anderer staatlicher Sender, Press TV, hatte zuvor von 13 Toten berichtet. Aus Spitälern verlautete die Zahl von 19 Toten. Die Studentenorganisation ISSM (Iranian Students Solidarity Movement) setzte die Zahl der Todesopfer landesweit in einer Aussendung sogar mit über 300 an. Allein in Teheran habe es 23 Tote gegeben. Nach Angaben von CNN kam es in der Nacht auch immer wieder zu gewaltsamen Hausdurchsuchungen.

Unterdessen haben die Proteste ihr erstes Aushängeschild: Eine junge Frau - mittlerweile unter dem Namen "Neda" bekannt. Am Samstag war sie vor laufender Kamera durch den Herzschuss eines Heckenschützen gestorben. Am Sonntag wurden bereits Bilder mit ihrem blutüberströmten Gesicht in den Händen der Demonstranten gesehen.

Die Opposition scheint in Teheran auf Deeskalation zu setzen. In Videos, die nach unbestätigten Angaben am Sonntag aufgenommen wurden, sind zehntausende Demonstranten zu sehen. Sie marschieren friedlich durch die Straßen Teherans. Dabei singen sie "Natarseen, natarsee, ma hameh baham hasteem" ("Hab keine Angst, hab keine Angst, wir sind alle zusammen") und später "Nieder mit dem Diktator". Allem Anschein nach kommt es auch zu keinen Übergriffen durch die Polizei.

Unbestätigten Informationen zufolge wurde am Sonntag auch die Tochter des einflussreichen Ex-Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani sowie vier weitere Familienangehörige wegen "Randale" verhaftet.

Zehntausende protestierten trotz Verbots

Die iranische Staatsmacht war am Samstag erneut mit aller Härte gegen die anhaltenden Proteste gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl vorgegangen. Trotz eines Demonstrationsverbots waren Zehntausende Iraner auf die Straße gegangen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei.

Bei einem Brandanschlag auf eine Moschee hätten am Samstagabend "einige" Menschen ihr Leben verloren, berichtete der Sender Press-TV zudem. "Die Lolagar Moschee wurde in Brand gesteckt und leider wurden einige unserer Bürger im Inneren der Moschee zu Märtyrern", hieß es. "Randalierer" hätten die Lolagar-Moschee am Samstag in Brand gesetzt,  meldete der Nachrichtensprecher am Sonntag, ohne eine genaue Opferzahl zu nennen.

Der Fernsehsender berichtete am Sonntag außerdem, dass "Randalierer" zwei Tankstellen angezündet und Militärposten angegriffen hätten. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite gibt es für die Berichte bisher nicht.

Ahmadinejad fordert Ende der Einmischung

Der iranische Staatschef Mahmoud Ahmadinejad hat unterdessen die USA und Großbritannien aufgefordert, sich nicht länger in die inneren Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Mit "übereilten Äußerungen" machten sie sich nicht zu Freunden der iranischen Nation, erklärte Ahmadinejad am Sonntag auf seiner Website. "Aus diesem Grund fordere ich Sie auf, Ihre Einmischungen zu unterlassen."

Der unterlegene Kandidat Mirhossein Moussavi forderte erneut eine Annullierung der umstrittenen Wahl. Am Freitag hatte das geistliche Oberhaupt der islamischen Republik, Ali Khamenei, die Wahlen für rechtmäßig erklärt und ein Ende der Proteste angeordnet. Die Unruhen sind die schwersten Krawalle in der Islamischen Republik seit der Revolution vor 30 Jahren.

(Ag./Red.)