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Hannes Tschürtz: Rundumservice für Musiker

Hannes Tschürtz
(c) Christian Pitschl
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Der Burgenländer Hannes Tschürtz ist 2001 mit ink Music an den Start gegangen. Inzwischen hat er eine Lösung gefunden, wie ein Musiklabel in Österreich überleben kann. Und die will er auch weitergeben.

Ich hab mit 16 Jahren in der Kellerbar aufgelegt, in meinem Heimatdorf.“ Von dort aus ging es weiter nach Wiesen, wo Hannes Tschürtz ab 1997 einen „Grundkurs im Festivalmanagement bekommen hat“. Inkludiert waren Aufgabenfelder der Marke Eintrittskarten entwerfen, Handtücher bringen, Monitore schleppen. Dann ein Abstecher zu Walter Gröbchens Agentur monkey und ab in die Selbstständigkeit. „Der Tag, an dem du in diesem Job keine Visionen hast, ist der Tag, an dem du aufhören solltest“, sagt der 32-Jährige, der heute Eigentümer von ink Music ist, einer auf Musik und Kulturkommunikation ausgerichteten Agentur mit hauseigenem Label, Musikverlag und flexibler Fortbildungsstätte. Der PR-Berater zeichnet seinem Geschäftsmodell ein expressionistisches Bild: „Es ist wie ein Wasserkraftwerk in der Wüste bauen.“ Wen man ihn fragt, warum der österreichische Musikmarkt denn so trocken scheint, antwortet er: „Es scheitert am österreichspezifischen Gesellschaftsproblem, dass Hiesiges immer per se schlechter sein muss als etwas von außen, an dem mangelnden Selbstwertgefühl, dem urösterreichischen Minderwertigkeitskomplex.“

Langzeittherapie für Musikszene

Und was müsste man tun, um den Markt zu heilen? „Ich staple mal hoch“, sagt er und erklärt: „Ich betrachte mich als eine Art Langzeittherapeuten. Und bin nicht böse, wenn's mehr davon gibt.“ Letzteres beweist die „ink.ademy“, eine von ihm 2006 ins Leben gerufene Lehranstalt, in der Basiswissen über die Musikwirtschaft vermittelt wird. Entstanden ist die Idee zur „ink.ademy“ im Laufe der Betreuung der Künstler. Dabei hat Tschürtz immer wieder festgestellt, wie wenig Musiker selbst eigentlich über das Business wissen. „Mein Anliegen war es, die Künstler auch wirtschaftlich auf Augenhöhe zu bringen. Die letzte Entscheidung und Kompetenz liegt immer bei ihnen, ich bin nur der Durchführende.“ Der Schüler lernt in sieben Schritten Praxis und Theorie rund um den Backstagebereich der Unterhaltungsindustrie, die Falltüren im Unternehmen „Band“ und warum letztlich alles eine Frage der Kommunikation ist. Seine eigene Public-Relations-Strategie sieht der Burgenländer im Übrigen nicht darin, planlos Herzblut in ein Projekt zu schütten, sondern nach der Regel „If we love what you do, we love what we do“ Kunden auszusieben. Das eigene Label nennt sich „Schoenwetter Schallplatten“. Ursprünglich als Zweckprojekt von ihm und den Mitgliedern der Band Garish gegründet, gehört der Firmenapparat „Schoenwetter“ seit 2007 zu ink Music. Im Labelkatalog findet man Musiker aus dem Inland („Ja, Panik“), Großbritannien („Trouble Over Tokyo“) oder Malta („Beangrowers“). Was das Booking angeht, vermittelt ink Music pro Jahr bis zu 300 Shows für rund 40 Musiker.

Nebenbei hält Tschürtz Gastvorträge an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst und an der Fachhochschule Kufstein. Sein jüngstes Projekt fand heuer im Rahmen der Austrian Music Convention statt, aufbauend für das nächste Jahr, wo es eine österreichische Musikwoche geben soll, um den heimischen Musikexport zu fördern. Seine wichtigsten beruflichen Schritte hat Hannes Tschürtz gemacht, als es ihm „am schwierigsten erschien, den Weg weiterzugehen“. Denn „bestimmte kritische Schnittpunkte sind immer ein guter Zeitpunkt, sich und seine Theorien in Frage zu stellen, was wiederum die beste Grundlage dafür ist, sich und sein Schaffen weiterzuentwickeln“.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2009)