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Worte haben Konsequenzen

Norbert Hofer verwendet das G-Wort auf Plakaten. Ehrliche Ansage oder nur Stimmenfang bei Gläubigen aller Art? Jedenfalls ein Spiel mit dem Feuer.

Nun gibt es also Wahlplakate mit einer Art voreiligem Amtseid, auf denen „Norbert Hofer Bundespräsident“ die Gelöbnisformel „So wahr mir Gott helfe“ verwendet. Und arme Leute wie ich, die für die katholische Kirche arbeiten, werden jetzt von allen Seiten gefragt: „Und?“

Was und? „Gott“ ist kein Begriff, auf den wir Katholiken ein Copyright hätten. Nicht einmal wir Christen. An Gott glauben viele, von Aleviten bis Zoroastriern. Tatsächlich haben früher die Katholiken Eide bekräftigt mit „So wahr mir Gott helfe und das heilige Evangelium“, während Protestanten „So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum zur Seligkeit“ sagten. Bis die Frankfurter Nationalversammlung 1848 den Eid entkonfessionalisierte, indem sie die jetzige Kurzform vorschlug, um allen das gleiche Schwören zu ermöglichen, auch „Sektierern“ und Juden. Drum lässt sich der Gelöbnis-Gott auch nicht gegen Muslime in Stellung bringen.

Anderen fällt vielleicht dazu etwas ein, aber welche Antwort wird von mir auf die Frage erwartet, ob der aus der katholischen Kirche ausgetretene Hofer eine millionenfach heruntergesagte Formel plakatieren darf? Dass wir das nur dem zubilligen, dessen Parteiprogramm vom Ortsbischof abgesegnet wurde? Oder nur einem, dem der Beichtvater Ehrlichkeit bezeugt?

Oder will man ausgerechnet von der Kirche hören, dass Gott in der Politik nichts verloren habe? Da wir doch davon überzeugt sind, dass Gott immer eine Rolle spielt. Wir könnten etwas dazu sagen, ob das Programm der FPÖ oder Hofers Aussagen das Etikett „christlich“ verdienen. Aber Gottes Hilfe? Gerade dem Sünder sei sie vergönnt.

Natürlich ist anzunehmen, dass Hofer damit christliche Wähler (warum nicht auch muslimische?) gewinnen will. Aber ist das Gewinnen nicht der Sinn von Wahlplakaten? Und sind Gläubige Pawlow'sche Reflexwähler, nach dem Motto: Wo Gott draufsteht, muss Gott drin sein – und mein Kreuzerl dahinter? Wenn einer zeigt, dass er gläubig ist, ist das ja noch keine Empfehlung – auch Dschingis Khan hat seine Götter angerufen.

Die einzige relevante Frage betrifft nur Norbert Hofer selbst: Geht es ihm wirklich um Wahrhaftigkeit im Angesicht Gottes (der Sinngehalt der Eidesformel) oder nur um Stimmenfang? Das Zweite Gebot lautet: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht“ (Ex 20,7, Dtn. 5,11). Worte haben Konsequenzen. Es steht der Kirche nicht zu, über die Motive Norbert Hofers zu spekulieren. Aber wenn er Gott ins Spiel bringt, tut er das auf eigene Gefahr.

Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.

meinung@diepresse.com

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(Print-Ausgabe, 23.10.2016)