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Muzicant: Realitäten verkaufen, Realitäten schaffen

Immobilien. Ariel Muzicant macht sein Parade-Projekt zu Gold: Er verkauft die Reste eines von ihm errichteten Stadtteils in der Donaustadt. Aus dem Immobiliengeschäft will er sich schön langsam zurückziehen. Sagt er.

So hat er's gern: Große Deals, minimale Öffentlichkeit. Am Donnerstag hat Ariel Muzicant genau das zu Wege gebracht. Er setzte seine Unterschrift unter ein umfangreiches Vertragswerk, das ihn um einige Millionen reicher macht. In aller Stille. Ohne offizieller Verlautbarung, ohne medialen Rummel.

Dabei wäre all das durchaus angebracht. Ariel Muzicant ist nämlich gerade dabei, den Deal seines Lebens zum Abschluss zu bringen: Vor etlichen Jahren hatte er mit Partnern einen ganzen Stadtteil nahe der Wiener UNO-City hochgezogen - das "Internationale Zentrum Donaustadt" (IZD) mit Wohnkomplex, Bürotürmen und einem Hotel. Die Wohn- und Bürohäuser hat er bereits sukzessive höchst gewinnbringend verkauft. Am vergangenen Donnerstag folgte der nächste Streich: Muzicant hat das Hotel Crowne Plaza in der Wiener Wagramer Straße an die internationale Hotelgruppe NH Hoteles veräußert. "Es war halt der richtige Zeitpunkt", meint er achselzuckend. Mehr ist dazu nach seinem Dafürhalten nicht zu sagen.

Der Mann beliebt nicht nur grob zu untertreiben - da ist auch eine gute Portion Koketterie im Spiel. Denn stolz ist er auf das von ihm aufgebaute Immobilienunternehmen Colliers Columbus zweifellos. Nur will er das halt nicht so direkt sagen. Geschweige denn über verdientes Geld reden. Das ruft ja nur Neider auf den Plan. Muzicant sagt also tiefstapelnd: "Wir haben die Firma gemächlich aufgebaut." Oder: "Ich hab im Leben halt viel Glück gehabt." Aber auch: "Die Medien bezeichnen mich immer wieder als ,Immobilien-Tycoon'. Das ist doch alles Blödsinn."

Ist es das? Tatsache ist, dass Muzicant im vergangenen Jahr mit dem Maklergeschäft ein Rekordjahr hingelegt hat - rund 4,5 Mio. Euro an Provisionen hat er eingenommen und ein Immobilienvolumen von etwa 250 Mio. Euro bewegt. Wen wundert's: Am Immobilienmarkt ist Ariel Muzicant das, was man neudeutsch als "Big Player" zu bezeichnen pflegt. Kaum ein Prestige-Projekt, in dem er nicht involviert wäre. Ein kleiner Abriss aus Muzicants ansehnlicher Referenzenliste: Er wurde seinerzeit engagiert, um einen geeigneten Mieter für das umgebaute Haas Haus am Wiener Stephansplatz zu finden; er hat das altehrwürdige Hotel Ambassador umgebaut und gleich auch die Kleiderkette Mango ins Haus geholt. Und die Wiener Luxusmeile Kohlmarkt ist zu einem Gutteil ein Spiegelbild von Muzicants Umtriebigkeit: Hilfiger, Burberry, Chanel, Gucci, Dolce & Gabbana, Bulgari, Diesel und wie sie alle heißen - allesamt von Muzicant als Mieter an Land gezogen.

Das wirklich große Geld macht Ariel Muzicant allerdings mit dem Immobilien-Development - also dem Kauf von Grundstücken oder Immobilien, in die dann ordentlich investiert wird, um sie für enorme Summen weiter zu verkaufen. Wobei er mit dem IZD ein besonders glückliches Händchen hatte - in der Branche wird es unisono als Muzicants Meisterstück bezeichnet. Für den Branchenfremden beweist das Projekt zweierlei: In dem Geschäft braucht man nicht nur jede Menge Geld und exzellente Partner. Sondern auch starke Nerven. Und jede Menge Geduld.

Denn das Mega-Projekt hatte Muzicant bereits im Jahre 1984 auf dem Reißbrett entworfen. "Das Areal war eine G'stettn", erinnert sich Muzicant: Auf insgesamt 25 Grundstücken gab es Baubaracken der UNO-City, eine alte Gerberei und eine Handvoll Schrebergärten. Trotzdem sollte es sieben Jahre dauern, bis eine Baubewilligung erteilt wurde.

Und damit konnte es losgehen. Muzicant holte sich zunächst einmal Schöps-Gründer und Immobilien-Millionär Leopold Böhm ins Boot. Ein Mann, der für Muzicant schon lange mehr als ein Geschäftspartner gewesen war: "Mein Vater ist gestorben, als ich 24 Jahre alt war", erzählt Muzicant. "Da sucht man sich wohl jemanden, der erfahren und älter ist." Böhm wurde also zu einer Art Vaterersatz. "Er ist mir ein wichtiger Ratgeber", sagt Muzicant, "und er hat ein unglaubliches Gespür für das Geschäft." Böhm brachte den Wohnbauunternehmer Hugo Mischek mit ins Team.

Ein feines Gespann, wie sich bald herausstellen sollte: Um mehr als 200 Mio. Euro wurden sieben Wohnhäuser, zwei Bürotürme und ein Hotel errichtet. Wenige Jahre später waren die drei um ein erkleckliches Sümmchen reicher: Die Wohnungen gingen an die "Sozialbau", der 37stöckige Büroturm IZD-Tower an einen US-britischen Private Equity Fonds. Allein an dieser Immobilie soll Muzicant an die 40 Mio. Euro verdient haben.

Jetzt hat sich der Lieber-nicht-Tycoon vom Hotel getrennt. Bleibt nur noch der Generali-Büroturm - doch dessen Verkauf leitet Muzicant gerade in die Wege.

Klingt irgendwie nach Schlussstrich. Und das ist es auch in gewisser Weise. Der 54-Jährige will sich nämlich schrittweise aus dem Geschäft zurückziehen. Behauptet er jedenfalls. Oder ist es wieder bloß Koketterie? "Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte", sagt er, "und goldene Knödel kann man ja nicht essen." Wer Muzicant aber besser kennt, nimmt das nicht allzu ernst - dazu arbeitet er einfach zu gerne, heißt es.

Andererseits: Seine Funktion als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde ist extrem zeitaufwendig. Außerdem zeigt Sohn Georg Muzicant zur großen Freude des Vaters nach jahrelangem USA-Aufenthalt Gelüste, sich für die Firma zu engagieren. "Wir bereiten den Generationswechsel vor", sagt Muzicant senior.

Einfach wird das nicht. Für das Geschäft ist natürlich Know How vonnöten. Doch das Salz in der Suppe sind exzellente Kontakte. Und dem Sohn fehlt eindeutig noch der Promi-Faktor des Vaters. Dass der Junior beispielsweise ein Gutteil der Luxustempel als Mieter am Kohlmarkt an Land gezogen hat, ist an der Öffentlichkeit spurlos vorüber gegangen.

Deswegen soll der Genera tionswechsel wohl auch graduell über die Bühne gehen. "Ich werde heuer einmal damit beginnen, dass ich mehr Urlaub als sonst mache", meint der Vater.

Ganz anders als vor genau 30 Jahren: Damals hatte Ariel Muzicant gerade sein Medizinstudium erfolgreich beendet, als sein Vater plötzlich verstarb. Er hinterließ ein kleines Immobilienbüro.