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Feind der Raucher und der Wirte

Der Initiator des Anti-Raucher-Volksbegehrens in Bayern sieht sich in seiner Heimat einer Hetzjagd ausgesetzt.

Ins Bierzelt wagt sich Sebastian Frankenberger derzeit nicht, auch Kneipen meidet er. Der Initiator des Volksbegehrens für ein striktes Rauchverbot in Bayern hat sich zwar mit seinem Anliegen durchgesetzt – die Mehrheit der bayrischen Bevölkerung stimmte Anfang Juli in seinem Sinne, und seit 1.August gilt hier die strengste Regelung zum Schutz von Nichtrauchern in ganz Deutschland. Ausnahmen für Bierzelte und kleine Einraumgaststätten wurden gestrichen, ebenso die Möglichkeit, Nebenräume für Raucher einzurichten.

Gleichwohl kann der 28-Jährige die rauchfreie Atmosphäre nicht genießen. Er hat sich viele Feinde gemacht, wird mit Hass-E-Mails überschwemmt und auf der Straße angepöbelt. „Sau“ ist noch eine der harmloseren Beschimpfungen. Man will ihm „den Schädel einschlagen“ und „die Bude abfackeln“, auch Mails mit Nazi-Vergleichen bekommt Frankenberger, die er an die Staatsanwaltschaft weiterschickt. An vielen Lokalen in seiner Heimatstadt Passau hängt sein Foto, mit dem Hinweis „Ich muss leider draußen bleiben“.

So zieht sich Frankenberger vorerst zurück. In Linz und Salzburg arbeitet er als Fremdenführer. Auch in Wien ist er gern, um dort seiner Tanzleidenschaft zu frönen. Was den Nichtraucherschutz anbelangt, gäbe es für den jungen Mann natürlich auch im Nachbarland einiges zu tun. e.m.

ZUR PERSON

Name: Sebastian Frankenberger

Geboren am: 17.9. 1981 in Passau

Laufbahn: Lehramts- und Theologiestudium, beide ohne Abschluss. Ausbildung zum Notfallseelsorger und Fremdenführer. Zunächst Mitglied der Schüler Union bzw. der CSU, 2004 Wechsel zur Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). [DPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2010)