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Die Firma Häupl: Das Imperium der Wiener SPÖ

Firma Haeupl Imperium Wiener
(c) APA (Harald Schneider)
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Über einen Verein und parteinahe Wirtschaftskapitäne lenken Wiens Genossen ein Firmenimperium. Einer der wichtigsten Geschäftspartner dieser Firmen ist der SPÖ-dominierte Magistrat.

[WIEN] Für Kritiker ist es ein für Korruption anfälliges System, für Michael Häupl im „Presse“-Interview Anlass, stolz zu sein: das Firmenimperium der Wiener SPÖ. Das sichert der Landespartei nicht nur Einfluss und Profite, es passt als Geschäftspartner perfekt zur Wien Holding, die im Eigentum der Stadt steht. Nur eines fehlt der Partei noch: der Anteil an einem wichtigen Medium. Also an der „Kronen Zeitung“.

Pläne für einen Einstieg gibt es längst. Sie liegen zwar gerade auf Eis, können aber sehr schnell wieder aufleben: Niemand Geringerer als Medienstaatssekretär Josef Ostermayer soll das Bündnis geschmiedet haben. Kern: Vienna Insurance Group, in Wien besser bekannt als Wiener Städtische, und die Erste Bank – via Kredit – sollen die Finanzierung eines „Krone“-Einstiegs ermöglichen.

Die im Juli bei einem Treffen fast aller Beteiligten – Ostermayer war dem Vernehmen nach mit von der Partie – diskutierten Konstruktionen: Der Verlag, der die Wiener Gratiszeitung „Heute“ herausgibt, und hinter dem der SP-nahe Treuhänder Günther Havranek sowie die Periodika-Privatstiftung stehen, steigt bei der „Krone“ ein. Vorstandschef der Stiftung ist „Heute“-Geschäftsführer Wolfgang Jansky, einst Sprecher des Wiener Wohnbaustadtrates Faymann. Eva Dichand, Frau von Christoph Dichand, ist die zweite Geschäftsführerin von „Heute“.

Zweite diskutierte Variante: Der ebenfalls als sehr SPÖ-nah geltende Verleger Rudolf Bohmann übernimmt die „Krone“-Anteile der Westdeutsche-Gruppe. Bisher will die nur nicht verkaufen.

Bohmann macht gute Geschäfte mit der Stadt. 2007 bezeichnete ihn Häupl bei der Verleihung des Großen Silbernen Ehrenzeichens als „persönlichen Freund“. Als solcher zog er einen über acht Jahre laufenden und 117Mio. Euro schweren Auftrag zwecks „Produktion von Zielgruppenmagazinen und Info-Foldern“ für den Magistrat an Land.

Ähnliche Geschäfte macht die Partei manchmal auch einfach selbst. Etwa mit ihrem „Echo Medienhaus“. Geschäftsführer des Verlags, der von Gratispostkarten über Werbung bis zum Krimi alles anbietet, ist der strahlende Stern am roten Himmel über dem Unternehmen Rathaus: Christian Pöttler, Bruder von Stefan Pöttler, einst Sprecher von Exkanzler Alfred Gusenbauer. Der Verlag pflegt gute Beziehungen mit der Stadt Wien, die (wie die Wien-Holding) zu den guten Werbekunden der von Echo produzierten Magazine („Wienlive“, „VORmagazin“, „Nightline“) gehört. Auf Dutzenden Seiten (Preis: 4000 Euro aufwärts) wird darin inseriert.

 

Verein im Epizentrum der Macht

Eigentümer dieses Wiener Filetstücks ist der zur SPÖ gehörende Verein „Verband Wiener Arbeiterheime“. Hier und in der untergeordneten A.W.H. GmbH sind alle Beteiligungen gebündelt. Geschäftsführer beider Konstrukte ist Helmut Laska, Mann von Ex-Vizebürgermeisterin Grete Laska. Im Aufsichtsrat sitzt SPÖ-Landesparteisekretär und Wahlkampfleiter Christian Deutsch.

Doch der lange Arm der Partei reicht auch in andere Geschäftsbereiche. Über „Aphrodite Bauträger“, „Projektbau“ und „Sozialbau“ mischt die SPÖ im Immobiliengeschäft mit. Die Sozialbau, an der auch die Wiener Städtische beteiligt ist, gehört mit 47.000 betreuten Einheiten zu den größten Immobilienverwaltern der Republik.

Ebenfalls mit der Wiener Städtischen ist die Partei an der Progress Beteiligungs GmbH beteiligt. Geschäftsführer dort ist Hermann Gugler, Steuerberater von Echo und Aufsichtsratsmitglied der Wien Holding sowie der Wiener Städtischen. Über die Progress hält die SPÖ Anteile am Plakatriesen Gewista. Gute Kunden sind dort unter anderem: SPÖ und Stadt Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2010)