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Gastkommentar

Nachhaltigkeit als Chance und Herausforderung für Familienunternehmen

Familienunternehmen sind bekannt dafür, in Generationen zu denken statt in Jahresberichten. Nachhaltiges Wirtschaften wird von ihnen naturgemäß praktiziert. Zwei unterschiedliche Vorhaben der EU-Kommission werden in diesem Kontext nun aber nicht nur Auswirkungen auf große kapitalmarktorientierte Unternehmen haben, sondern gerade auch auf österreichische Familienbetriebe.

Nicht finanzielle Berichterstattung von KMU. Mit der geplanten Neuregelung der Europäischen Union, der Corporate Sustainability Reporting Directive, wird der Kreis der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen müssen, deutlich erweitert und die geforderten Inhalte werden konkretisiert: In Zukunft sind alle als „groß“ einzustufenden Unternehmen verpflichtet, Nachhaltigkeitsinformationen zu veröffentlichen. In Österreich trifft das auf zirka 2000 Unternehmen zu. Die EU-Regelung soll mit Dezember 2022 in nationales Recht umgesetzt werden und greift somit für Berichtsjahre beginnend am oder nach dem 1. Jänner 2023.

KMU sind zwar von der Berichtspflicht ausgenommen, geraten aber durch die Zugehörigkeit zu komplexen Lieferketten, Kreditvergaben aufgrund sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte und nicht zuletzt durch zunehmend für Nachhaltigkeit sensibilisierte Kunden sehr wohl indirekt unter Druck, nachhaltigen Standards zu entsprechen. Daher empfiehlt es sich auch für KMU dringend, ihre nicht finanziellen Kennzahlen den zukünftigen EU-harmonisierten Vorgaben und Standards entsprechend zu veröffentlichen.

Familienunternehmen sollten sich außerdem bereits frühzeitig mit bestehenden Standards (GRI-Richtlinien, EU-Taxonomie) auseinandersetzen und sich an diesen orientieren, um noch fehlende Expertise auszubauen und das Ziel einer transparenten und nachhaltigen Ablauforganisation im ganzen Unternehmen zu verbreiten. Dabei bietet die Unternehmensstruktur von Familienunternehmen ideale Voraussetzungen, da sie im Vergleich zu kapitalmarktorientierten bzw. börsenotierten Unternehmen oftmals über direkte Familienführung oder langjähriges Management verfügen, die somit eine unkompliziertere und authentische Implementierung von Nachhaltigkeit im täglichen Arbeiten erlauben.

Eine starke Einbindung der Führungsebene in die Belange der Berichterstattung und die Übergabe der Verantwortlichkeit an die Geschäftsführung ist dabei nicht nur vonseiten der EU vorgesehen, sondern ist auch aufgrund der sehr kurzen Zeitspanne bis zur Einführung äußerst wichtig.

CO2-Bepreisung und nationaler Emissionshandel. Mit dem ökosozialen Steuerreformgesetz 2022 wurden nicht nur umfassende Tarifsenkungen im Bereich der Einkommen- und Körperschaftsteuer beschlossen, sondern es wurde auch eine CO2-Bepreisung eingeführt. Fossile Energieträger werden zukünftig einem nationalen Emissionshandel für CO2-Zertifikate unterworfen. Bis zum Jahr 2026 werden fixe Preise je Tonne CO2 (2022: EUR 30/t, 2023: EUR 35/t, 2024: EUR 45/t und 2025: EUR 55/t) definiert, um danach in einen echten freien Handel mit CO2-Zertifikaten überzugehen. Für Unternehmen, die in energieintensiven Branchen tätig sind, wird diese CO2-Bepreisung schrittweise eine deutliche Kostenbelastung nach sich ziehen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Standorts zu gewährleisten, wurde gleichzeitig ein Entlastungsmodell geschaffen. Energieintensive Branchen können so von einer Entlastung der CO2-Bepreisung im Ausmaß von 65 bis 95 Prozent profitieren. Die gewährte Entlastung muss allerdings in der Folge für Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen verwendet werden – in der Einführungsphase bis zum 31. Dezember 2023 im Ausmaß von zumindest 50 Prozent und danach im Ausmaß von 80 Prozent des Vergütungsbetrags.

Schon um diese Kostenbelastungen in der Zukunft besser steuern zu können, empfiehlt sich die Implementierung von leicht messbaren Kennzahlen für die Steuerung von klimaschutzrelevanten Maßnahmen. Aus diesen Kennzahlen resultierende Erkenntnisse können in der Folge nicht nur für die Nachhaltigkeitsberichterstattung verwendet werden, sondern können auch helfen, zukünftig höhere Energieabgaben einzusparen.

Gastautoren: Berndt Zinnöcker ist Partner und Geschäftsführer bei BDO. Sanela Terko ist Director bei BDO und Mitglied des EU-Gremiums der Accountancy Europe.

Österreichs beste Familienunternehmen sind wieder gefragt

Familienunternehmen zeigen gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten, warum sie das verlässliche Rückgrat der heimischen Wirtschaft sind. Nachhaltiges Denken und Agieren – oft über Generationen – sind dabei ein wichtiger Erfolgsschlüssel. Was Familienunternehmen so gut und vor allem besonders macht, darum geht es beim bereits 22. Wettbewerb „Österreichs beste Familienunternehmen“.

Zusammen mit dem Bankhaus Spängler, der BDO und der Österreichischen Notariatskammer sucht „Die Presse“ Österreichs Top-Familienbetriebe. Zum Wettbewerb kann sich jedes in Österreich beheimatete Familienunternehmen via diepresse.com/fam22 bis 31. März anmelden. Die Teilnahme ist kostenfrei. Zur Einreichung benötigt werden die Umsatzzahlen der jüngsten drei Geschäftsjahre, die Angabe, ob das Ergebnis positiv oder negativ ist, sowie eine Kurzbeschreibung des Betriebs. Eine Fachjury entscheidet. Die Kür der Besten ist im Mai.

Compliance-Hinweis

Die Berichterstattung und der Wettbewerb „Österreichs beste Familienunternehmen“ werden von der „Presse“-Redaktion unabhängig gestaltet. Das Bankhaus Spängler, die BDO und die Österreichische Notariatskammer sind Kooperationspartner.

Redaktion: Hans Pleininger
E-Mail: hans.pleininger@diepresse.com