Blattlinie: Medienpolitik

In einem "Profil"-Interview hat Gerhard Zeilererklärt, dass er nicht für den Posten des ORF-Generaldirektors kandidieren werde. Seine Begründung ist niederschmetternd schlüssig.

Kommenden August steht die nächste ORF-Generalswahl an. Als einziger ernsthafter Gegenkandidat zu Alexander Wrabetz, dem Amtsinhaber und SPÖ-Kandidaten, galt bis heute der SPÖ-Mann Gerhard Zeiler, als RTL-Chef einer der erfolgreichsten Fernsehmanager der Welt. Im „Profil“-Interview begründet er, warum er definitiv nicht antreten wird: Er habe, sagt Zeiler, bald gemerkt, „dass es bei der Frage, wer der nächste ORF-Generaldirektor werden soll, wesentlichen Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt“.

Nun könnte man anmerken, dass diese niederschmetternde Erkenntnis den ehemaligen Generalintendanten des ORF nicht unvorbereitet treffen sollte. An der Korrektheit der Diagnose ändert das freilich nichts: Genau so ist es. Und genau darum wird der nächste Generaldirektor des ORF Alexander Wrabetz heißen. Bundeskanzler Werner Faymann und sein Medienstaatssekretär Josef Ostermayer, die Wrabetz vor zwei Jahren handstreichartig entfernen wollten, werden schon wissen, warum.

Warum „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter die schärfste mediale Waffe des Ballhausplatzes gegen Zeiler war, glaubt jedenfalls Gerhard Zeiler zu wissen: Den habe er seinerzeit als ntv-Chef absetzen müssen, „weil es sonst diesen Sender heute nicht mehr geben würde“.

Nichts Schlechtes, das nicht auch sein Gutes hätte: Wäre Brandstätter noch bei ntv, gäbe es im „Kurier“ immer noch Sexanzeigen, niemand würde zu fragen wagen, wem eigentlich die Gratiszeitung „Heute“ gehört, und der Anti-Europa-Kurs der „Kronen Zeitung“ bliebe unwidersprochen.

Merke: Der Mut ist eine Tochter der Zeit.

michael.fleischhacker@diepresse.com