Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kroes: EU-Kommissarin mit Nähe zur Mafia?

Neelie Kroes. Die Wettbewerbskommissarin hatte einen zwielichtigen Geschäftspartner.

Amsterdam. Wo sie auftaucht, sorgt sie für Aufsehen. Denn sie ist immer extravagant gekleidet und verstrahlt Charme und Charisma. Doch das Aufsehen, für das EU-Kommissarin Neelie Kroes derzeit sorgt, ist nicht selbstinszeniert. Die Scheinwerfer sind auf die mächtige EU-Kommissarin, die den freien Wettbewerb in der EU garantieren und überwachen soll, gerichtet, weil sie bis vor kurzem ein sehr enges Geschäftsverhältnis mit einem der reichsten Immobilienmakler der Niederlande hatte. Sein Name: Jan-Dirk Paarlberg.

Paarlberg ist in den Niederlanden nun ins Zwielicht geraten. Der steinreiche Immobilienhändler steht im Verdacht, mit der berüchtigten ,,Holleder-Bande" zusammengearbeitet zu haben. Möglicherweise ist er sogar ein Mitglied der Bande. Die Holleder-Bande ist nach deren Boss benannt - Willem Holleder. Dieser erlangte in den 80er Jahren als Krimineller Weltruhm, weil er den Biermilliardär Freddy Heineken entführte und für dessen Freilassung 17 Millionen Euro Lösegeld erpresste. Holleder sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Willem Holleder gilt als der mächtigste Amsterdamer Mafiaboss. Er hat sich auf Erpressung spezialisiert. Sein illegal erworbenes Vermögen - geschätzte 20 Millionen Euro - legte er unter anderem in Immobilien an. So kam Holleder auch in Kontakt mit Jan-Dirk Paarlberg. Mittelsmann zwischen Holleder und Paarlberg war ein ebenfalls reicher Immobilien-Mann, nämlich Willem Endstra. Endstra wurde vor zwei Jahren vor seinem Haus in Amsterdam erschossen. Möglicherweise wurde er von Killern im Auftrag von Willem Holleder, der Endstra über lange Jahre erpresst hatte, liquidiert. Endstra wiederum war eng mit Jan-Dirk Paarlberg befreundet, dem bevorzugten Geschäftspartner von EU-Kommissarin Neelie Kroes.

Auch wenn man Neelie Kroes zu Gute hält, dass sie von den möglichen kriminellen Machenschaften und Verstrickungen ihres Geschäftspartners nichts gewusst hat, so war die EU-Kommissarin doch ganz eng an der Amsterdamer Immobilien-Mafia dran. Wie eng, das lässt sich derzeit noch nicht abschließend klären. Aber die einstige Liaison mit dem Immobilien-Millionär kommt der Kommissarin nun teuer zu stehen. Denn sie machte nicht nur Geschäfte mit Paarlberg, sie ließ sich von ihm auch teilweise aushalten und setzte ihn als Bürgen für ihre Finanztransaktionen ein. Kroes verlor nun 1,8 Millionen Euro, weil sie zwei Bürokomplexe, die sie über Paarlberg für 6,1 Millionen Euro gekauft hatte, Hals über Kopf abstieß. Für nur 4,3 Millionen.

Nun, da die niederländische Polizei im Zuge ihrer Ermittlungen gegen den Amsterdamer Mafia-Boss Willem Holleder dessen Verbindung zu Paarlberg auf die Spur gekommen ist, hat sich Kroes von diesen Paarlberg-Immobilien schnellstens getrennt, wohl deshalb, weil sie mit Paarlberg schon aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit und der politischen Hygiene nicht mehr in einem Atemzug genannt werden wollte.

Es scheinen Panik-Verkäufe gewesen zu sein, meinen Amsterdamer Finanzanalysten. Sie stürzten die EU-Kommissarin in die roten Zahlen. Einem Bericht des Amsterdamer "Telegraaf" zufolge riss der 1,8-Millionen-Euro-Verlust aus der Immobilien-Transaktion ein tiefes Loch in das Vermögen der EU-Kommissarin. Kroes soll demnach nun bei den Banken mit 200.000 Euro im Soll stehen.

Ein Sprecher von Neelie Kroes betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass, als sich der Immobilienmakler Paarlberg als Bürge und Finanzier für die von Kroes erworbenen Bürohäuser zur Verfügung stellte, dieser noch nicht als mögliches Mitglied der Holleder-Bande verdächtigt wurde. Dennoch aber behielt die EU-Kommissarin bis vor zwei Wochen ihr niederländisches Büro in einem Schloss, das Paarlberg gehört. Angeblich musste sie für diese repräsentative Büroadresse nicht einmal Miete bezahlen.