Umkämpfte Bezirke: Wo in Tirol die Wahlen entschieden werden

Wahlen Tirol, Günther Platter (ÖVP)
Wahlen Tirol, Günther Platter (ÖVP)(c) APA/ROBERT PARIGGER (ROBERT PARIGGER)

Innsbruck mit Innsbruck Land, das Außerfern und Osttirol sind die Bezirke in Tirol, die das Ergebnis der Wahl maßgeblich mitbestimmen werden. Die großen Unbekannten sind das Team Stronach.

Wien. In knapp drei Wochen wählt Tirol seinen Landtag neu. Für Spannung ist gesorgt, allein schon deswegen, weil sich den rund 532.500 Wahlberechtigten elf Listen zur Wahl stellen - so viele wie noch nie. Neben den im Landtag vertretenen Fraktionen - ÖVP, SPÖ, Liste Fritz, FPÖ, Grüne und Bürgerklub - treten auch Vorwärts Tirol, Team Stronach, Für Tirol, Piraten und KPÖ an. Besonderes Augenmerk liegt am 28. April auf den Bezirken Innsbruck mit Innsbruck Land, Reutte (Außerfern) und Lienz.

ss-18;0Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat 40,5 Prozent von Amtsvorgänger Herwig van Staa zu verteidigen. Ein beinahe unmögliches Unterfangen, liegt seine Partei doch laut Umfragen bei 34 Prozent. Seine und die Zukunft seiner Partei dürfte vor allem von den Ergebnissen im Außerfern und in Osttirol abhängen - zwei Außenbezirken Tirols, die seit jeher als VP-Hochburgen gelten und an einem latenten Minderwertigkeitskomplex leiden, weil sie sich vom Zentralraum abgeschnitten und vernachlässigt fühlen. Welche Auswirkungen ein Einbruch in einem dieser Bezirke haben kann, bekam van Staa 2008 zu spüren. Nachdem er das Außerfern als „Hungerleiderbezirk" bezeichnet hatte, stürzte dort die ÖVP dramatisch ab - die 40,5 Prozent sind das bisher schlechteste Ergebnis der Volkspartei. Der Hintergrund: Das Außerfern war nicht immer so gut situiert wie heute.

Vor der Ansiedlung der Plansee-Werke 1921 war es einer der ärmsten Bezirke Tirols. Das Hauptproblem der ÖVP diesmal: Ex-ÖVP-Landesrätin Anna Hosp, im Außerfern sehr beliebt, tritt als Spitzenkandidatin für Vorwärts Tirol an. Und hat auch gleich für ein politisches Erdbeben gesorgt. Laut Umfragen liegt ihre Liste dort bei 37,5 Prozent, die ÖVP kommt auf 28,6 Prozent - nach 55,8 Prozent 2008, damals schon ein historischer Tiefststand.

In Osttirol hat die Volkspartei mit dem Umstand zu kämpfen, dass 2011 Elisabeth Blanik von der SPÖ sensationell den Bürgermeistersessel in der Hauptstadt Lienz eroberte - eine schwere Niederlage für die ÖVP. Seither setzen die Sozialdemokraten all ihre Hoffnungen in Osttirol. Besonders, nachdem sie in den traditionell roten Industriestädten Jenbach, Imst, Landeck und Reutte seit Kurzem nicht mehr den Bürgermeister stellen - drei gingen an VP-Listen verloren, einer trat aus der SPÖ aus und ist seither unabhängig - und in den dazugehörigen Bezirken mit schweren Verlusten rechnen müssen. In Innsbruck und Umgebung leidet die SPÖ ohnehin seit Jahrzehnten unter massiven Strukturproblemen. Die Hauptursache dafür ist der ständig schwelende Konflikt der SPÖ mit den Gewerkschaften, der sich insbesondere unter Landesparteiobmann Herbert Prock in den 1990er-Jahren zuspitzte. Er wollte aus der SPÖ eine moderne, wirtschaftsaffine Partei machen, wogegen die Basis stets rebellierte. Bei der kommenden Wahl steht beispielsweise kein einziger deklarierter Gewerkschafter auf der Landesliste.

Die Grünen hingegen hoffen auf Triumphe in Innsbruck und Innsbruck Land. In der Studentenstadt Innsbruck mit 25.000 Studenten (bei 120.000 Einwohnern) stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie sogar auf Platz eins landen. Auch im - noch reicheren - Speckgürtel um Innsbruck mit Gemeinden wie Aldrans, Lans und Sistrans erreichen die Grünen regelmäßig mehr als 20 Prozent. Umfragen sehen sie derzeit landesweit bei 14 Prozent - gleichauf mit den Sozialdemokraten.

Die Freiheitlichen wollen in Kufstein und Kitzbühel punkten. Hier haben sie traditionell starke Funktionärsstrukturen - die teilweise noch auf die FPÖ-Vorgängerorganisation VdU zurückgehen. In Innsbruck kämpft die FPÖ seit Jahrzehnten mit Abspaltungstendenzen. Das begann mit dem Ausscheiden von Rudi Federspiel um die Jahrtausendwende, der jetzt wieder als FPÖ-Spitzenkandidat in Innsbruck antritt.

Liste Fritz als große Unbekannte

Die Strategie von Vorwärts Tirol ist eindeutig - eine Kampfansage an die Volkspartei in strategisch wichtigen Bezirken. Im Außerfern soll Anna Hosp die ÖVP schwächen, in Osttirol der dort durchaus bekannte Josef Schett und in Innsbruck Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, die zwar nicht selbst antritt, aber kräftig die Werbetrommel rührt, um ihre Kandidatur für 2018 vorzubereiten. Umfragen sagen der Liste elf Prozent voraus, ein Prozent mehr als den Freiheitlichen.

Die großen Unbekannten sind das Team Stronach (laut Umfragen bei sechs Prozent), das im FPÖ- und SPÖ-Lager fischt, und die Liste Fritz (ebenfalls sechs Prozent), der nach dem Rückzug von Gründer Fritz Dinkhauser ein Aderlass droht. 2008 erreichte die Liste 18,4 Prozent. Wem es gelingt, Auffangbecken dieser Wähler zu werden, der könnte großer Wahlgewinner werden.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2013)