Rhetorische Fragen zu Assad

Syriens Diktator hat nicht den geringsten Grund, mit offenen Karten zu spielen.

John Kerry wird es in nächster Zeit schwer haben. Wann immer sich der US-Außenminister zu Wort melden wird, dürfte die süffisante Bemerkung nicht weit sein, er habe das wohl nur „rhetorisch“ gemeint. Wobei: Das US-Mantra, Assad müsse weichen, hat sich tatsächlich als rein rhetorisch erwiesen.

Aber ganz abgesehen vom massiven Glaubwürdigkeitsverlust Washingtons: Vordergründig scheint Kerry, scheinen die USA, mit dem grotesk schlecht kommunizierten Vorschlag, die syrischen C-Waffen unter internationale Kontrolle zu stellen, den Ausstieg aus dem Interventionsautomatismus geschafft zu haben, den sie selbst angeworfen haben.

Doch der wahre Sieger heißt freilich Assad. Die kommenden Monate kann man sich ausmalen, es reicht, sich ein paar – rhetorische – Fragen zu stellen: 1.Wie wahrscheinlich ist es, dass Moskau mehr als eine zahnlose UN-Resolution ohne Sanktionsdrohung zulässt? 2.Wie wahrscheinlich ist es, dass Assad sein gesamtes Arsenal an Chemiewaffen offenlegt? 3.Wie wahrscheinlich ist es, dass die UN-Inspektoren mitten im Bürgerkrieg gut vorankommen?

Nein, Assad hat nicht den geringsten Grund, mit offenen Karten zu spielen: Warum sollte er sein größtes militärisches Asset aufgeben, wenn ihm ja ohnehin nur „unglaublich kleine Militärschläge“ (O-Ton Kerry) drohen? Aber er hat jeden Grund, sich auf dieses Spiel einzulassen, denn er hat nicht nur einen Joker.

 

helmar.dumbs@diepresse.com