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Ex-Finanzminister: "Griechenland war 2003 ein Vorbild"

Nikos Christodoulakis
Nikos Christodoulakis im Jahr 2003EPA
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Nikos Christodoulakis gilt als Vater des griechischen Euro-Beitritts. Er sagt, Athen habe bei den Beitritts-Verhandlungen nie jemanden betrogen.

Die Eurokrise war eines der zentralen Themen im deutschen Wahlkampf. Das ist auch den Griechen nicht entgangen. Eine Äußerung von Angela Merkel, wonach man das Land gar nicht in die Eurozone aufnehmen hätte dürfen, wurde heftig kritisiert - auch vom sozialistischen Ex-Finanzminister Nikos Christodoulakis, der in Griechenland als Vater des Euro-Beitritts bekannt ist. Es sei kein Geheimnis gewesen, dass Athen kreativ Buch geführt habe, erklärte er im "Spiegel Online"-Interview. "Alle wussten, dass Griechenland Schwierigkeiten hatte, die Kriterien zu erfüllen und dass das auch so bleiben könnte", so Christodoulakis. Aber schließlich habe kaum ein Euro-Beitrittsland alle Konvergenzkriterien erfüllt. "Wir haben nie jemanden betrogen", so Christodoulakis.

"Auch Deutschland hat getrickst"

Der Ex-Finanzminister ist überzeugt: Hätte man die hohen Militärausgaben Griechenlands (Anm. wegen der Grenzstreitigkeiten mit der Türkei) ins Defizit aufgenommen, wäre es nie zu Beitrittsverhandlungen gekommen. Allerdings hätten andere Länder ähnlich verhalten. So habe auch Deutschland getricks, indem es die verlustbringenden staatlichen Krankenhäuser nicht mehr zum öffentlichen Sektor gezählt hat.
"Es ist schlicht ein bequemes Gerücht, dass ein einzelner Euro-Staat die Verantwortung für alle Probleme trägt", meint Christodoulakis. Zur Zeit des Euro-Beitritts ist dem Ex-Finanzminister zufolge alles noch vollkommen anders gewesen. Griechenland habe als Vorbild für osteuropäische Länder gegolten - "wegen unserer Fortschritte beim Sparen, dem Kampf gegen die Inflation und der Umsetzung anderer EU-Normen." Christodoulakis erzählt: "Auch der IWF hat 2003 die enorme Verbesserung unserer Statistik gelobt."

"Troika hat Langzeitreformen ignoriert"

Der Ex-Finanzminister sieht den Euro-Beitritt nach wie vor nicht als Fehler an: "Gerade wegen unserer Probleme mussten wir einer Gruppe entwickelter Länder mit starken Institutionen beitreten." Allerdings habe sich die Troika - also EZB, EU-Kommission und IWF- falsch verhalten und „Langzeitreformen ignoriert". Die Umsetzung des Abkommens mit der Troika hätte nicht schlechter laufen können und zur "schlimmste Rezession eines entwickelten Landes im 20. Jahrhundert geführt".

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(Red.)