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Statistik: Jung in die Stadt, als Senior aufs Land

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Städte werden nicht nur größer, sondern auch jünger und weiblicher. Auch die Zuwanderung ausländischer Staatsbürger erfolgt hauptsächlich in die Ballungsräume.

Wien. Österreichs Städte sowie ihre Umlandgemeinden wachsen – dank Zuwanderung aus dem Ausland und Landflucht. Vor allem Jüngere (bis etwa zum 40. Lebensjahr) ziehen in Ballungsräume – zumeist wegen der besseren Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Ab 60 Jahren hingegen geht es retour – die Sehnsucht nach den Wurzeln, die Lust auf das Land kehrt die Binnenmigration um.

Das geht aus der Publikation „Österreichs Städte in Zahlen 2013“ der Statistik Austria und des Städtebunds, die am Montag präsentierten wurde, hervor. „Der Trend zum Zuzug in die Ballungsräume und der Wegzug aus grenznahen Regionen hält weiter an“, sagt Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. Die Bevölkerung in den Landeshauptstädten ist zwischen 2003 und 2013 um 7,4 Prozent gewachsen, der Österreich-Durchschnitt lag bei nur plus 4,3 Prozent.

Das stärkste Wachstum verzeichneten Eisenstadt (14,1 Prozent), Graz (12,9 Prozent) und Wien (9,3 Prozent). Innerhalb der Europäischen Union gehört Wien mit 1,74 Millionen Einwohnern somit zu den am stärksten wachsenden Städten – hinter Brüssel, Stockholm und Madrid. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte Wien bis 2033 mehr als zwei Millionen Einwohner haben.

Von den Umlandgemeinden nahm die Bevölkerung von Gänserndorf bei Wien etwa um 30,1 Prozent zu, die von Kalsdorf bei Graz um 20,4 Prozent, die von Leonding bei Linz um 16,1 Prozent. Gemeinden in ländlichen Gebieten hingegen verzeichneten eine Verringerung, wie etwa Eisenerz (minus 24,2 Prozent), Bad Radkersburg (minus 13,9 Prozent) oder Mariazell (minus 11,7 Prozent).

Eine besonders starke Zuwanderung aus den Randgebieten verzeichnen die Kernzonen der Stadtregionen bei den 18- bis 25-Jährigen. Pesendorfer spricht von einer „Bildungsmigration“ – also von einem Zuzug zwecks höherer Ausbildung. Dass auch immer mehr Frauen (bis 40 Jahre) in die Städte ziehen, führt er auf ihr höheres Ausbildungsniveau und die Steigerung ihrer Erwerbstätigenquote von 59,9 Prozent im Jahr 2001 auf 66,5 Prozent 2011 zurück.

Zuwanderung aus dem Ausland

Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger, der die Zuwanderung in Österreich am stärksten prägt, stieg zwischen 2003 und 2013 von 9,2 auf 11,9 Prozent. Die internationale Zuwanderung erfolgte hauptsächlich in Städte und hier wiederum in die Kernzonen. In Wien beläuft sich der Ausländeranteil auf 23 Prozent, in Eisenstadt auf 10,1 Prozent.

Was auch diese Studie noch zeigte: Der Anteil der Einpersonenhaushalte stieg in den vergangenen Jahrzehnten im Österreich-Durchschnitt um 10,7 Prozentpunkte. Familien mit Kindern leben demnach überwiegend in kleinen Gemeinden und Städten, Paare ohne Kinder oder Alleinerzieher sind in Ballungszentren angesiedelt. Pesendorfer zufolge ist die Steigerung bei den Singlehaushalten zum Großteil auf die Zahl der allein lebenden Senioren und auf junge Erwachsene zurückzuführen, die einen „flexibleren Zugang zu Beziehungen“ hätten – bei denen also Trennungen bzw. Neustarts im Leben öfter vorkämen als bei älteren Personen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie bezieht sich auf die Mobilität. Hier zeigt sich, dass öffentliche Verkehrsmittel nur in Wien, Graz und Innsbruck als wichtiger als der eigene Pkw gelten. Gründe hierfür sind unzureichende Intervalle und schlechte Verbindungen.

Die Gesamtausgaben aller Städte und Gemeinden beliefen sich 2012 auf 17,8 Milliarden Euro (mit Wien 30,1 Milliarden Euro). Das sind 3562 Euro pro Einwohner. Den größten Anteil machen die Dienstleistungen (18,9 Prozent) aus, das beinhaltet etwa Instandhaltungsarbeiten an Fahrzeugen, Kosten für Strom und Heizung oder öffentliche Abgaben. An zweiter Stelle steht die Verwaltung (18 Prozent).

Finanzen als Herausforderung

Als größte Herausforderung für die Städte bezeichnet Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes, die Finanzierung und die Mobilität über die Stadtgrenzen hinaus. Um die hohe Lebensqualität zu gewährleisten, müssten Städte zunehmend „smart“ – also nachhaltig, effizient, umweltschonend – sein.

Auf einen Blick

Landflucht. Österreichs Städte und ihr Umland wachsen. Vor allem Jüngere ziehen wegen der besseren Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten in die Ballungsräume. Die Bevölkerung nahm von 2003 bis 2013 um 4,3 Prozent zu, in diesem Zeitraum stieg der Anteil ausländischer Staatsbürger von 9,2 auf 11,9 Prozent. Auch die internationale Zuwanderung erfolgte hauptsächlich in Städte. In Wien etwa beläuft sich der Ausländeranteil auf 23 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2014)