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Löst das BIFIE auf – und zwar so rasch wie möglich!

Die heutige Schule braucht etwas anderes als ständig leeres Gerede über Kompetenzen und Serien von Tests, die man Unbefugten zugänglich macht.

Mit großer Sympathie habe ich vor zwei Tagen das „Quergeschrieben“ von Kurz Scholz gelesen, worin er am Beispiel des Gymnasiums in Alterlaa die Vorzüge österreichischer Schulen hervorhob. Beim zweiten Lesen ersetzte ich überall dort, wo Kurt Scholz in seinem Text „AHS“ schrieb, diese Abkürzung durch das Wort „Schule“. Bis auf einen Satz änderte diese Ersetzung nichts am Inhalt des Artikels, sie bereicherte ihn sogar.

Denn dass es Schulen gibt, und derer gar nicht wenige, in denen neben der alltäglichen Arbeit Außerordentliches geleistet wird, kann gar nicht oft genug hervorgehoben werden. Mag sein, dass sich je nach Schultyp die attraktiven Angebote und zusätzlichen Aktivitäten auf unterschiedliche Felder konzentrieren. Die „allgemeinbildenden“ Schulen setzen naturgemäß eher Akzente im geisteswissenschaftlichen oder musischen Bereich, die berufsbildenden Schulen kümmern sich bevorzugt um Projekte, die um Wirtschaft und Technik kreisen. Aber nichts von dem, was Kurt Scholz beispielhaft nannte, ist einem einzigen Schultyp vorbehalten.

Lebhaft erinnere ich mich noch an das wunderbare Orchester, das in der HTL Braunau – einer Vorzeigeinstitution einer Ingenieurschule – anlässlich einer Schulfeier, bei der ich anwesend sein durfte, konzertreif musizierte.

Tatsächlich hängt es allein von den Lehrerpersönlichkeiten ab, von ihrem Zusammenspiel, ihrem Engagement, von ihrem fachlichen und pädagogischen Können, ob Schule gelingt – im Normalbetrieb wie auch bei all dem, was über das solide Unterrichten im Alltag hinausgeht. Viel wichtiger als die ad nauseam geführten Diskussionen über Schulformen, viel wichtiger als das zentrale Testen von „Kompetenzen“ ist die Sorge des Staates um eine gute Ausbildung der Lehrer.

Hier liegt noch vieles im Argen. Nicht zuletzt an den Universitäten, wo es nicht selten vorkommen soll, dass bei den künftigen Lehrern durch öde, abgehobene oder gar abschreckende Vorlesungen die ursprüngliche Begeisterung für das von ihnen gewählte Fach abstumpft. Und wo es ebenfalls nicht selten vorkommen soll, dass sich Professoren der mühevollen Verantwortung entziehen, die künftigen Lehrer mit der Ernsthaftigkeit und Tragweite zu konfrontieren, der man sich beim Studium des Faches unterziehen muss, um es danach den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen unangreifbar, glaubwürdig und sie beeindruckend nahebringen zu können.

Denn das sollte immer gelingen: In jeder Klasse jeder Schule unterrichtet mindestens eine Lehrerpersönlichkeit, die jungen Menschen fachlich wie auch menschlich als glänzendes Vorbild begegnet. „Tennis ist sozial exklusiv, genau wie die AHS“, schreibt Scholz. Bei diesem Satz kann man „AHS“ nicht durch „Schule“ austauschen – aber vielleicht ist der ganze Satz durch einen besseren zu ersetzen: Jeder Absolvent einer Schule – welcher Art sie auch immer sei – darf von sich behaupten, von mindestens einer beeindruckenden Lehrerpersönlichkeit „exklusiv“ geprägt worden zu sein.

Der eben berichtete Vorfall, dass vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) massenhaft bezogene Testergebnisse, die allein dem Kandidaten und seinem Lehrer zugänglich sein dürften, auf einem rumänischen Server unverschlüsselt und ungeschützt liegen, sollte Anlass genug sein, dieses unentschuldbar fahrlässige Institut stante pede zu schließen. Es hat mit potemkinschen Dörfern schon lange genug davon abgelenkt, dass nicht formale, sondern inhaltliche Probleme zu lösen sind. Das gelingt nur in der Zusammenarbeit mit gut ausgebildeten Lehrern an den einzelnen Schulen selbst.

Kein BIFIE, bei dem Gras aus den Köpfen der Kinder wächst, sondern die kompetenten Beamten des Ministeriums sind dafür die geeigneten Kooperationspartner. Sie haben schon in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Österreichs Schulen so schlecht nicht sind, und sind auch in der Zukunft dafür gerüstet.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2014)