''Game of Thrones'': Jaime spricht mit Cersei

"Game of Thrones": Staffel vier, Folge eins

Jaime Lannister spielt die Komödie so gut wie die Tragödie, der Hound lässt Szenen aus dem Spaghetti-Western-Genre aufleben. Das und noch viel mehr geschieht in "Two Swords".

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung zu "Two Swords", der ersten Folge der vierten Staffel. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Lange haben wir alle gewartet auf die neue "Game of Thrones"-Staffel. 10 Monate sind seit der bislang letzten, der zehnten Episode der dritten Staffel - "Mhysa" - vergangen. Kollegin Heide Rampetzreiter beschrieb sie - im Vergleich zur "Red Wedding"-Folge als eher antiklimatisch. Der Auftakt zur vierten Staffel - "Two Swords" - ist emotional vielleicht irgendwo dazwischen anzusiedeln und doch irgendwie auch nicht.

Die Symbolkraft der ersten Sequenz der neuen Folge ist eindeutig: Das Stark-Schwert wird eingeschmolzen, die Macht des Königshauses nicht mehr greifbar.

Überhaupt müssen neue Charaktere her, wenn die Produzenten schon etablierte Figuren sterben ließen. Etwa der mysteriöse und an der Fleischeslust äußerst intereressierte Prinz Oberyn Martell (Pedro Pascall), der zur Hochzeit von König Joffrey anreist. Mit den Lannisters hat Martell noch eine Rechnung offen.

Apropos Lannister: Den glatt rasierten Heimkehrer Jaime erkennt man auf den ersten Blick nicht. Seit ihn das Schicksal von Luke Skywalker ereilte, ist er für seinen Vater Tywin nur noch ein halber Mann. Auch Jaimes Schwester und frühere Geliebte Cersei zeigt ihm die kalte Schulter. Als Zuschauer entwickelt man da schon fast Sympathien mit dem Kingslayer. Nach der Heirat von Tyrion und der um ihre getöteten Familienmitglieder - nunmehr Vater, Mutter und Bruder - trauernden Sansa (die zu einem späteren Zeitpunkt von einem Mitstreiter eine ominöse Kette erhält), distanziert sich der Imp von seiner Geliebten Shae. Schade, dass Sibel Kekilli und Peter Dinklage nicht mehr Spielzeit bekommen. Dafür funkt es zwischen Daenerys - die mit den immer unabhängigeren Drachen ihre liebe Not hat - und Daario Naharis.

Auffallend ist der zunehmende subtile Humor der Serie. So wirken manche Szenen der ersten Folge von Staffel vier, als wenn sie so nicht im Drehbuch stehen würden. Als Jaime eine falsche, goldene rechte Hand bekommt, winkt er im Hintergrund. Den nonverbalen Humor konnte man bislang den famosen Dinklage zuordnen, nun ist es auch Nikolaj Coster-Waldau, der meisterhaft zwischen ernstem Spiel und Ironie agiert.

Deutlich düsterer geht es weiter nördlich zu. Die Wildlings formieren sich und verbünden sich mit den Thenns, mit Kannibalen. Köstlich. Jon Snow ist am Leben und muss sich vor dem Rat für den Tod an Qhorin Halfhand verantworten.

Spaghetti-Western in Westeros

Aber das alles ist nur die Vorspeise. Den Hauptgang servieren Arya Stark und der Hound. In einem rustikalen Beisl treffen die ungleichen Outlaws auf fünf Männer. Einer davon ist Polliver, der Lommy, einen Freund Aryas tötete. Wie in einem Spaghetti-Western liefert sich der Hound (einmal mehr grimmig-großartig: Rory McCann) mit seinen Widersachern, die sich als "des Königs Männer" bezeichnen, einen verbalen und später einen handfesten Schlagabtausch. "Bring mir ein Hühnchen", sagt er zu Polliver. "Einem Redner zuzuhören macht mich durstig". Anschließend trinkt er seinen Wein aus und meint: "Und hungrig. Ich glaube, ich nehme doch zwei Hühnchen ... und wenn noch mehr aus deinem verdammten Mund kommt, muss ich wohl alle Hühnchen essen, die es hier gibt" (Wer erinnert sich da nicht an alte Klamauk-Western mit Bud Spencer).

Dann geht aber es richtig zur Sache. Arya (famos-furchtlos: Maisie Willliams) rächt sich schließlich und sticht mit ihrem Schwert namens Needle in Pollivers Kehle. Blutfontäne. Mit einem Hühnchen in der Hand reiten der Hound und Arya, die nun endlich wieder Needle ihr Eigen nennt, - nicht dem Sonnenuntergang - sondern einer verwüsteten Landschaft entgegen.

Kurzfazit: Der Auftakt zur vierten Staffel macht Lust auf mehr. Auf mehr Intrigen, Macht- und Liebesspiele. Auf mehr Blut, Schweiß und Tränen. Der subtile Humor, der im Vergleich zu vorangegangenen Episoden deutlich mehr Platz bekommt, soll wohl als Kontrast zu den Blutorgien dienen. Dies gelingt in "Two Swords" gut, wie ich meine.

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.