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Software: "Unfehlbarer" elektronischer Lehrer

In den USA wird eine Software getestet, die in Zukunft Schulaufsätze bewerten soll. Einige Bundesstaaten haben schon abgewunken.

Schüler wissen, was ihrem Lehrer gefällt. Denn ob der Aufsatz für eine gute Note nur faktisch korrekt sein muss oder auch originell sein darf, hängt oft von den persönlichen Vorlieben des Paukers ab. Doch für die 48.500 Schüler der 9. bis 12. Klasse im US-Bundesstaat Indiana könnte diese subjektive Bewertung bald ein Ende haben, denn die Schulbehörden testen in den nächsten zwei Jahren, ob nicht auch eine Computersoftware automatisch und objektiv die Englisch-Aufsätze lesen und bewerten kann. Das würde die Lehrer entlasten und den Schülern den Stress des Wartens ersparen: Sie würden die Bewertung fast unmittelbar nach dem Abspeichern des Aufsatzes am Schul-PC erhalten.

Als Entscheidungsgrundlage verfügt das „E-Rater“ genannte und von der Schultest-Entwicklungsfirma Educational Testing Service (ETS) entwickelte Programm über eine umfangreiche Datenbank von bereits geschriebenen Schulaufsätzen zu einer ganzen Reihe von Themen, die bereits zuvor von jeweils zwei unterschiedlichen Lehrern hinsichtlich bestimmter Kriterien wie Rechtschreibung, Satzbau, Präsentation der Ideen oder verwendetes Vokabular bewertet wurden. Der E-Rater vergleicht die Texte der gespeicherten Aufsätze mit der abgegebenen Arbeit des Schülers auf Gemeinsamkeiten und nimmt daraufhin die Bewertung des Aufsatzes in den bekannten Notenstufen vor.

Da das Programm dabei den Aufsatz nicht liest, sondern nur analysiert, streicht der E-Rater nicht wie ein realer Lehrer Fehler im Text an, sondern gibt am Ende neben der Note nur allgemeine Verbesserungsvorschläge wie beispielsweise, dass Ausdrücke zu häufig verwendet, zu wenige Ideen eingebracht wurden oder dass das Thema verfehlt wurde. Entsprechend lässt sich der E-Rater auch übertölpeln, indem der Schüler beispielsweise bewusst möglichst viel zum Thema passendes Vokabular verwendet. Interne ETS-Tests haben jedoch ergeben, dass dies die Bewertung nur um einige Zehntel beeinflusst und vom realen Gegenleser als offensichtlicher Täuschungsversuch entlarvt würde.

Noch läuft E-Rater als zweijähriges Pilotprojekt in Indiana, und reale Lehrer lesen parallel die Aufsätze der Schüler und bewerten sie, um die Zuverlässigkeit des Programms zu testen. Immerhin weicht es in 98 Prozent aller Fälle von der Lehrerbewertung gar nicht oder nur maximal um eine Note ab. Mit jedem neuen Aufsatz, den E-Rater bewertet und in seiner Datenbank ablegt, wird das System weiter verfeinert, hoffen die Entwickler. Vom Ergebnis der Pilotphase wird abhängen, ob sich andere US-Staaten für diese Auswertungsmethode entscheiden.

In Oregon, Pennsylvania, Massachusetts und South Dakota konnten die Testergebnisse die Schulbehörden nicht überzeugen. Dort bewertet weiterhin der reale Lehrer die Aufsätze. Der erkennt humoristische oder poetische Inspirationen des Schülers und wertet sie nicht ab, weil sie nicht ins computerisierte Schema passen.