Gastkommentar

An euch Antisemiten!

Wie unübersehbar ist, was sich hinter euren pseudolinken Wort- und Satzmasken, hinter eurem Internationalismus, eurem Gerede vom Globalen Süden, von Unterdrückung, Machtinteressen oder dem angeblich immer nur abstrakt gemeinten Kapital und Finanzmarkt in Wirklichkeit verbirgt: Antisemitismus.

Es ist ein Jammer. Teile der Linken, große Teile der so überaus politisch korrekten antirassistischen Gruppen und Bewegungen, die seit Jahr und Tag jede unterdrückende oder koloniale Haltung schon im Ansatz des Gedankens erkennen und jedes Mal wieder mit einem unüberhörbaren Aufatmen über die eigene moralische Erhabenheit ihre Finger lang und länger auf das Zielobjekt der sofort folgenden Brandmarkung richten, auch Teile der Klima-, Umweltschutz- und Weltrettungsgruppierungen genauso wie nicht wenige derer, die einen Gutteil von Realität wie Fiktion möglichst blickdicht mit Triggerwarnungen versehen, und gar nicht zu reden von den richtig Rechten, von den Weltverschwörern, von den ihr Heil im gerade heute wieder so gegenwärtigen Ewiggestrigen Suchenden, ja, ihr alle und noch mehr, aber besonders schmerzvoll ihr, die es selbst gar nicht wisst, die ihr es noch nie wissen wolltet, wie latent antisemitisch ihr längst gewesen seid und wie offenkundig ihr es nun jeden Tag weniger „latent“ halten könnt, wie unübersehbar tatsächlich ist, was sich hinter euren pseudolinken Wort- und Satzmasken, was sich hinter eurem Internationalismus, eurem Gerede vom Globalen Süden, von Unterdrückung, Machtinteressen oder dem angeblich immer nur abstrakt gemeinten Kapital und Finanzmarkt in Wirklichkeit verbirgt. Antisemitismus.

Der Autor

Martin Prinz (*1973) aufgewachsen in Lilienfeld (NÖ), studierte Theaterwissenschaft und Germanistik, lebt als Schriftsteller in Wien. Letzte Romanveröffentlichung „Die unsichtbaren Seiten“ (Insel Verlag, 2018). (Foto: Suhrkamp Verlag, Lukas Beck)

Und es interessiert euch nicht, dass es das Palästina, das die Palästinenser seit Jahrzehnten als geraubt, als besetzt reklamieren und in all dem als Wiedergutmachungsrecht missbrauchen sowie als legitimen Beweggrund ihrer angeblichen Rebellion, nie gegeben hat. Während sie dabei nur zu geschickt verschweigen, wie beharrlich sie bereits vor Israels Staatsgründung alle Ansätze zu Vorschlägen und Lösungen, die aktuellen Zwei-Staaten-Konzepten nur zu ähnlich gewesen wären, stets vom Tisch gewischt hatten.

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Genauso wenig wie es euch tangiert, dass die Hamas offenbar Treibstoff in größeren Mengen gehortet hat, was wohl der einzige Grund dafür ist, dass der von angeblich unparteiischen NGOs seit der Blockade ab dem 7. Oktober stets innerhalb weniger Tagen prognostizierte Zusammenbruch aller Notstromsysteme bis zu den ersten Hilfslieferungen vor wenigen Tagen nicht eintrat.

Alles das, und noch so viel mehr, alles versteckt hinter dem wachsenden Aber, das immer weniger versteckt, wie sehr es auf den Angriff Israels wartet. Und ihr dahinter. Damit es sich endlich deckt, der große Schein eures Aber im Spiegelbild einer Realität, die das furchtbare Wort Antisemitismus bis heute eingeschrieben trägt.

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