Fußball: Fifa-Aufnahme des Kosovo unwahrscheinlich

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An Welt- oder Europa-Meisterschaften wird die neu proklamierte Republik Kosovo noch lange nicht teilnehmen. Ohne Anerkennung durch die internationale Staaten-Gemeinschaft gibt es keine Mitgliedschaft bei Fifa oder Uefa.

Kristian Nushi ist so etwas wie der David Beckham des Kosovo: Der 25-jährige Fußballer gilt ebenfalls als technisch versiert. Bei den gewonnenen Titeln liegt Nushi allerdings noch weit im Rückstand: Einen Pokalsieg in der Schweiz hat der Mittelfeldspieler zu Buche stehen: Mit dem FC Wil gewann er 2004 den Cup. Dennoch hat Kristian Nushi Geschichte geschrieben: Er erzielte 2007 den Siegtreffer beim 1:0-Sieg des Kosovo über Saudi-Arabien. Es war das erste Antreten des Kleinstaates gegen ein Land, das an einer Fußball-WM teilgenommen hat.

Der Sieg über Saudi-Arabien war der Höhepunkt in der jungen Geschichte des kosovarischen Nationalteams. Zuvor hatte es unter anderem zwei Niederlagen gegen Albanien, einen Sieg gegen ein türkisches B-Team und einen Kantersieg gegen Monaco gegeben. Mit einer 1:7-Niederlage im Gepäck mussten die Monegassen im April 2006 die Heimreise antreten. Unnötig zu erwähnen, dass alle diese Matches nur Freundschaftsspiele waren. Ob die neu proklamierte Republik Kosovo jemals offizielle Spiele bestreiten können wird, ist mehr als fraglich.

Fifa lehnte Kosovo ab

Artikel 10 der Statuten des Weltfußball-Verbandes Fifa besagt, dass nur ein Verband eines von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten, unabhängigen Staates Mitglied werden kann. Die UNO-Mitgliedschaft wird nicht als Bedingung für eine Aufnahme in die Fifa erwähnt. Bisher hat der Weltfußball-Verband alle Ansuchen des Kosovo auf Aufnahme abgelehnt.

Keine "Färöer-Regelung" für den Kosovo

Sehr schlechte Voraussetzungen also für das kosovarische Nationalteam: Weil sich Russland und Serbien dagegen stemmen, wird der neue Staat möglicherweise nie oder erst nach Jahren Mitglied internationaler Organisationen werden können. Auch eine Ausnahmeregelung der Fifa, die zum Beispiel zur Aufnahme der Faröer-Inseln geführt hat, ist äußerst unwahrscheinlich: Dazu bräuchte der Kosovo das Okay Serbiens - ein undenkbares Szenario.

Uefa strenger als Fifa

Auch auf europäischer Ebene braucht sich der Kosovo so schnell keine Hoffnungen zu machen. Die Uefa, der europäische Fußballverband, verlangt in Artikel 5 ihrer Statuten von potentiellen Mitgliedern explizit die Anerkennung der UNO. Nur Länder mit ordentlicher Mitgliedschaft können an den von der Uefa ausgerichteten Wettbewerben, wie Europa- Meisterschaft, Uefa-Cup oder Champions League teilnehmen. So wird sich der KF Besa weiter gedulden müssen. Das Team war in den letzten drei Jahren Meister der obersten kosovarischen Fußball-Liga. Bisher haben nur die Europäische Handballföderation und die Internationale Tischtennisföderation den Kosovo aufgenommen - trotz Protesten aus Belgrad.

(sb)