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Niederösterreich: Drei Dörfer proben Aufstand

(c) (Fabry Clemens)
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Verkehr. Warum drei Gemeinden um ihre Standortqualität fürchten, wenn geplante Straßen gebaut werden.

WILHELMSBURG. Drei gallische Dörfer inmitten des römischen Reiches? Den Vergleich dreier sozialdemokratisch regierter Gemeinden im von der Volkspartei dominierten Niederösterreich mit dem Kampf von Asterix und Obelix gegen Gaius Julius Caesar will niemand hören. Tatsache ist aber, dass hier – in einer der bevölkerungsärmsten Gegenden des Landes – der Widerstand gegen die VP-Verkehrspolitik am stärksten ist. Und dabei geht es um mehr als bloß um den Bau einer Straße.

Glaubt man den Bürgermeistern von Wilhelmsburg, Traisen und St. Veit an der Gölsen, so droht die Region unter die Räder zu kommen – nicht nur im sprichwörtlichen Sinn, sondern auch im übertragenen. Die Industrie sei gefährdet, ebenso der sanfte Tourismus und Lebensqualität. Der Widerstand richtet sich vor allem gegen die Weiterführung der Quasiautobahn S34, die B 334 (siehe Grafik): Die Region am Fuße der Alpen drohe zu einem Durchhaus Europas zu werden. „Nur eine Frage der Zeit, dass eine Transitroute entsteht, wenn es diese Straßen erst einmal gibt“, meint der Traisener Bürgermeister Herbert Thumpser. Der SP-Landtagsabgeordneter fügt hinzu: „Die Gefahr besteht – nicht heute, aber in 20, 30 Jahren.“ Er befürchtet, dass der Verkehr von der tschechischen Grenze über St.Pölten weiter in die Steiermark (Mariazell) bis zur S6 geführt werde – eine Hochleistungsstraße nach Slowenien bzw. Italien, durch die Transitreisenden Dutzende Kilometer Umweg über Wien erspart blieben.


Spezielle Traktor-Spur?

In Traisen hat sich anfangs zwar der Gemeinderat prinzipiell für die B 334 ausgesprochen, mittlerweile ist die Stimmung aber gekippt. „Was wird passieren, wenn die Feinstaubbelastung durch das Mehr an Verkehr steigt?“ fragt Thumpser. Und gibt gleich die Antwort: „Industrie und Gewerbe müssen neue Filter errichten.“ Jobs würden gefährdet, die Standortqualität sinke, die Zahl der Pendler stiege. Industriebetriebe verlangten von ihm „mehr Bahn- und keine Autobahnanschlüsse“.

Herbert Choholka, SP-Bürgermeister in Wilhelmsburg: „Wir lassen uns nicht sagen, dass wir nur verzögern und verhindern wollen. Alles gehört in größerem Rahmen betrachtet.“ Richard Höhnl, Bürgermeister in St.Veit an der Gölsen, kritisiert: „Landeshauptmann Pröll hat für uns keinen Termin – und lässt ausrichten: Ihr könnt beschließen, was ihr wollt.“ Höhnl will als Alternative Ortsumfahrungen, entlang der B20 eine Verbreiterung und eine Traktorspur. „Das ist billiger und effizienter.“ Er verweist auf die „Strategische Prüfung im Verkehrsbereich – Umweltbericht“ der Landesregierung. Darin heißt es auf Seite 27, dass diese Achse laut Landesentwicklungskonzept „zur Entlastung des Ballungsraums Wien innerhalb der Großregion Ostösterreich beitragen“ solle. Und auf Seite 38: „Die geplante Traisental Straße liegt in einer gedachten Linie Graz – Bruck/Kapfenberg – Lilienfeld – Stockerau/Hollabrunn – Znojmo/Jihlava.“

„Warum fragen Sie nur rote Bürgermeister?“, will Karl Bader wissen, als ihn „Die Presse“ anruft. Bader ist VP-Bundesrat aus Rohrbach/Gölsen und einer der vehementesten Befürworter der B334. Den Nutzen letzterer umschreibt er so: „Ein Mehrwert für Region, Pendler und Anrainer.“ Bader wirft den drei Gemeinden einen „Zick-Zack-Kurs“ vor. Und: „Im Verkehrskonzept steht alles drin.“

Friedrich Zibuschka, Chef der Raum- und Verkehrsplanung des Landes: „Hier kommen mehrere Verkehrsströme zusammen, deshalb ist die Straße nötig. Dass auch der öffentliche Verkehr ausgebaut wird, ist eh klar.“ Und eine weiter gehende Transitroute „ist überhaupt kein Thema. Wer soll das bauen?“ Solche Pläne gebe es nicht.

Franz Wögerer ist VP-Bürgermeister von Eschenau und „selbstverständlich“ für die B334: „Ich bin für Entlastung.“ Aber, fügt er hinzu: „Wir wollen keine Abfahrt. Wenn wir eine hätten, dann hätten wir mehr Verkehr.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)