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Wortspielereien: Postmoderne modern anders

Sie wissen ja: Holzwegsätze locken Sie in die Irre.

Eigentlich wollte ich ja mit Holzwegsätzen schon letzte Woche Schluss machen, aber es haben mich noch welche von unserem Stammleser Michael Engel (alias Angelo der Magier) erreicht, die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Sie wissen ja: Holzwegsätze locken Sie in die Irre.

Nummer eins: „Wir heben alles von Ihrem Rasen auf, denn rückfällige Verkehrssünder zahlen doppelt!“ teilt der Gendarmi dem Schnellfahrer mit. (Die wunderbar irreleitende Kombination Rasen ohne Bremsen ist mir auch schon eingefallen – welche Wohltat in insektenreichen Sommern! –, ich konnte aber noch keinen ordentlichen Holzwegsatz damit bilden.)

Nummer zwei: Modern bei dieser Bilderausstellung werden vor allem die Rahmen, denn sie sind aus Holz und im feuchten Keller gelagert worden.

Zum Abschluss zwei Bauhilfen für solche Sätze: Suchen Sie nach mehrdeutigen Wörtern wie etwa Würde. Meistens lassen sich diese Wörter gut am Anfang eines Satzes unterbringen – da fällt auch die Groß-Klein-Schreibungsproblematik weg. Und wenn der Sinn dann noch zu schnell ins Auge springt, kann man die Lesbarkeit durch Einschübe erschweren – je weiter die zweideutige Passage vom auflösenden Teil des Satzes entfernt ist, desto leichter fällt man herein. Etwa so:

Nasser war der Präsident Ägyptens, des Landes am Nil, nie gewesen als nach diesem Regenschauer.

Aber nun zum letzte Woche angekündigten Paraprosdokian, das natürlich kein armenischer Ölmagnat, sondern eine mit Holzwegsätzen entfernt verwandte Sprachfigur ist: ein Satz mit unerwartetem, zum Lachen reizenden Ende. Das vielleicht schönste Beispiel kommt vom amerikanischen Komiker Bob Monkhouse: Ich möchte wie mein Vater sterben: ruhig und im Schlaf – nicht schreiend und voller Schrecken wie seine Passagiere. Nächstens mehr darüber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2008)