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Nach Shitstorm: Blumenregen für Lisa Gadenstätter

gadenstätter
(c) Screenshot ORF Tv-Thek
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Nach massiven Verbalattacken gegen „ZiB 24“-Moderatorin Lisa Gadenstätter stärken ihr nun viele auf Twitter den Rücken. Der ORF erwägt, gegen die Digital-Hetzer rechtlich vorzugehen.

Auch am Tag fünf nach der „ZiB 24“-Diskussion zur aktuellen Nahost-Krise sorgt die Sendung, bei der ein islamischer Diskutant das Studio vorzeitig verließ, für Gesprächsstoff. Seit dem Wochenende war ORF-Moderatorin Lisa Gadenstätter mit brutalen Verbalattacken und sogar Morddrohungen auf mehreren Facebookseiten konfrontiert, zudem ging eine große Menge an gleich lautenden Protestmails bei verschiedenen Stellen im ORF ein, vom Kundendienst über die Redaktion bis zum Generaldirektor.

Quasi über Nacht folgte nun aber auf den „Shitstorm“ (Sturm der Entrüstung und Kritik im Internet) gegen die Moderatorin ein „Blumenregen“. Ausgerufen hatte diesen AMS-Vorstand Johannes Kopf auf Twitter. Dienstagvormittag schrieb er dort: „Ich starte einen #Flowerrain für die hervorragende Lisa Gadenstätter. #zib24 #genuggehetzt“. Dieser Tweet wurde innerhalb von 24 Stunden Tag über 200 Mal geteilt und favorisiert. Und die Solidaritätswelle ging noch weiter: Mittwochnachmittag tauschten einige Menschen ihr Profilbild auf Facebook gegen ein Blumenfoto.

Nach eigener Aussage hat Kopf den Begriff „Flowerrain“ schon vor einiger Zeit als Gegenmodell für den „Shitstorm“ erdacht. Dem „Kurier“ erzählte er am Mittwoch: „Ich scheine da einfach ausgesprochen zu haben, was so viele denken: Solche Hasstiraden gehen nicht in diesem Land. Frau Gadenstätter macht eine hervorragende Sendung. Die Art und Weise, in der jetzt mit ihr umgegangen wird, ist vollkommen inakzeptabel.“ Er habe seither nur positive Reaktionen bekommen.

Lisa Gadenstätter wollte sich auch nach dem Blumenregen persönlich nicht zu den Vorfällen äußern. Dafür nahm ORF-Sprecher Martin Biedermann am Mittwoch offiziell Stellung: „Die Anfeindungen und Drohungen gegen eine unabhängige Journalistin des ORF richten sich von selbst. Der ORF verurteilt die in sozialen Netzwerken und E-Mails zum Ausdruck kommende Hetze gegen Frau Gadenstätter auf das schärfste“. Zudem betonte er, dass sich der Sender rechtliche Schritte gegen die zum großen Teil mit Klarnamen agierenden Poster vorbehält.

Diskussionsabbruch um Mitternacht

Ausgelöst wurde der Shitstorm im Anschluss an die „ZiB 24“ am vergangenen Freitag. Gadenstätter diskutierte live mit Tamir Pixner von der jüdischen Gemeinde Wien und Abdurrahman Karayazili vom Verein „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD) – oder besser: versuchte zu diskutieren, denn Karayazili wollte auf die meisten ihrer Fragen keine Antwort geben, fiel der Moderatorin ins Wort und verließ schließlich vorzeitig das Studio. Vor allem auf Facebook folgte eine Welle des Protests gegen Gadenstätter. Man warf ihr vor, einseitig und voreingenommen moderiert zu haben.

Lisa Totzauer, für die „ZiB“-Sendungen auf ORFeins verantwortlich, reagierte schon am Dienstag auf die Kritik und verteidigte Gadenstätter. Die sei weder „rabiat“ noch „angriffslustig“ gewesen, vielmehr sei sie damit konfrontiert worden, dass Herr Karayazili nicht auf ihre Fragen geantwortet habe. „Herr Karayazili wurde eingeladen, wie sein Gegenüber auch, Antworten auf Fragen zu präsentieren. Das hat er nicht getan.“ Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) forderte am Mittwoch „alle Menschen aus der Türkei“ dazu auf, sich von der massiven Hetze gegen ORF-Moderatorin Gadenstätter zu distanzieren und „die Täter mit schärfsten Sanktionen“ strafrechtlich zu verfolgen.

Auf Twitter solidarisierten sich am Mittwoch immer mehr Menschen und folgten dem „Flowerrain“-Aufruf von AMS-Chef Kopf. Viele Twitternutzer schickten Gadenstätter virtuelle Blumen und betonten, dass sich Journalismus nicht einschüchtern lassen dürfe.

Die „ZiB 24“ von Freitagnacht ist noch bis Freitag, den 1. August in der TVthek abrufbar.

(awa)