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Frau ohne Scham - Josef Pröll bitte melden

Nach ihrem Interview in "profil" ist Claudia Bandion Ortner vielleicht für Saudi Arabien tragbar, aber sicher nicht mehr für Österreich - weder als Repräsentantin noch als Richterin. Josef Pröll hat sie seinerzeit für regierungsfähig befunden.Und jetzt?

Verblüffend an der Aufregung um das „profil“-Interview der stellvertretenden Generalsekretärin des von Saudi Arabien, Österreich und Spanien errichteten König Abdullah Dialog Zentrum in Wien,  Claudia Bandion Ortner, vormals Justizministerin, ist die Aufregung.  Es kann doch wirklich niemanden überraschen, dass die Ex-Bawag-Richterin zu den Enthauptungen in Saudi Arabien gesagt hat: „Das ist nicht jeden Freitag. Natürlich bin ich gegen die Todesstrafe.“ Auch nicht, dass sie offenbar das Erschreckende an dieser Aussage gar nicht erkannt und versucht hat, im Nachhinein dem Magazin die Schuld zu geben.

Es wird enthauptet, na gut, aber nicht jeden Freitag. Das kann nur jemand sagen, der um der Gage aus Saudi Arabien willen seine Ahnungslosigkeit auch noch in der Öffentlichkeit verteidigen muss. „profil“ hat sie ohnehin gut behandelt, indem sie der Justizministerin von 2009 bis 2011 Naivität zugestanden hat.

Nur zur Erinnerung: Als Bandion-Ortner die Regierung verlassen musste, kam sie kurzzeitig in der Anti-Korruptions-Akademie in Laxenburg unter, wo man allerdings nicht recht wusste warum und wofür. Ein Mitglied der Leitung war vornehm genug, nur mit den Schultern zu zucken und vielsagend zu lächeln.

Ähnlich dürfte es im Abdullah Zentrum sein. Bandion-Ortner ist nur Vize des saudiarabischen Generalsekretärs. Nach ihrem Einzug am Wiener Ring wurde sie vor allem dadurch bekannt, dass sie sich immer wieder über das zu niedrige Gehalt beklagt haben soll.

Durch ihre – in menschenrechtlicher, moralischer und intellektueller Hinsicht – unsäglichen Aussage hat sich Bandion-Ortner den Weg zurück in den Richterberuf wohl endgültig verbaut. Es ist nicht anzunehmen, dass man sie je wieder über andere Urteil sprechen lässt.

Immerhin reagierte der Vorsitzende der Richtervereinigung, Werner Zinkl, bestürzt auf die umstrittenen Aussagen Bandion-Ortners. Diese „Verharmlosung der Todesstrafe“ sei „eigentlich schockierend“, meinte Zinkl auf Anfrage der APA. Er verstehe Bandion-Ortner nicht, so der Richterpräsident. Denn eigentlich wäre es angemessen gewesen, wenn sie sich bei einem Besuch in Saudi-Arabien dort gegen die Todesstrafe ausgesprochen hätte. Stattdessen verharmlose sie diese.

Bestürzt kann aber auch die Öffentlichkeit sein, nicht nur wegen Bandion-Ortners Aussagen, sondern vor allem weil sie immerhin Richterin war und noch immer karenziert ist.  Die Verharmlosung von Enthauptungen während die ganze Welt mit Entsetzen die Tötungsvideos der IS-Terrortruppen sieht, zeugt von einer Schlichtheit, um nicht zu sagen Dummheit, die niemandem, der je wieder vor ihr bei Gericht zu erscheinen hätte, zumutbar ist. Sollte Bandion-Ortner je wieder einen Richtertalar tragen, dann darf man sich erinnern, dass sie die schwarze Abaya in Saudi Arabien "ganz praktisch" fand: "Ein angenehmes Kleidungstück. Sie mich ein bisschen an den Talar erinnert, den bin ich ja gewöhnt." Und man darf sich dann auch erinnern, dass sie alle in Saudi Arabien "wahnsinnig lieb und nett" fand. Und überrascht war, dass das "ganz normale Leute" sind. Was hat sie erwartet? Mit so viel Ahnungslosigkeit sollte man niemanden Österreich irgendwo repräsentieren lassen. Nicht einmal dann, wenn sie ein Treffen mit Frauen in Saudi Arabien mit einer Damenrunde in Österreich vergleicht. Kennt sie die Einschränkungen nicht, denen Frauen unterworfen sind? Hat sie noch nie gehört, dass der König zwei seiner Töchter seit Jahren in Gefangenschaft hält, um sie der Mutter in England zu entziehen, wie internationale Medien immer wieder berichten?

Und diese Aussagen sind nicht mit einem versteckten Mikrofon aufgenommen, sondern auch noch von Bandion-Ortner autorisiert worden.

Eine Frage bleibt offen, jener nach der culpa in eligendo: Josef Pröll hat sie in die Regierung geholt. Es würde der Anstand gebieten, dass er sich jetzt zu Wort meldet.