Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Menschen-Kopien rücken näher

(c) AP (Frank Augstein)
  • Drucken

In China und den USA wurden Embryos geklont.

Seit 1996 das Schaf „Dolly“ geklont wurde, hat es tausende Versuche gegeben, auch Menschen zu klonen, entweder „therapeutisch“ – um aus den Embryos embryonale Stammzellen (ES) zu gewinnen und daraus Transplantate zu ziehen – oder gar „reproduktiv“: um die Embryos zu ganzen Menschen heranwachsen zu lassen. Gelungen ist es nie: Zwar machte 2004 der Koreaner Hwang mit angeblichen Klonen Schlagzeilen, aber er stellte sich als Fälscher heraus.

Nun melden gleich zwei Gruppen Erfolge: Eine in China um Yanwei Wang (Shandong) hat fünf Embryos geklont und sie bis zu Blastozysten heranreifen lassen, in diesem Stadium kann man ES entnehmen und daraus Zellkulturen ziehen, das haben die Chinesen nicht getan. (Cloning and Stem Cells, 11) – In den USA ist Mario Lanza (Advanced Cell Technology, Los Angeles) einen Schritt weitergegangen: Auch er hat Menschen geklont, aber er hat zusätzlich versucht, auch Mensch/Tier-Mischungen herzustellen. Zum Klonen braucht man eine Eizelle – und DNA aus einer ausgewachsenen Zelle –, aber Eizellen von Menschen sind rar. Deshalb versuchen es manche Forscher mit Eizellen von Tieren und DNA von Menschen. In Großbritannien sind solche Mischwesen legal; sie haben große Debatten ausgelöst, ethische.

 

Entwicklung wie normale Embryos

Die interessieren Lanza wenig, er wollte die technische Machbarkeit prüfen. Und meldet Fehlanzeige: Bei seinen Mixtur-Versuchen – Mensch/Kaninchen, Mensch/Rind – werden ausgerechnet die Gene herabreguliert, die in normalen (gezeugten) Embryos aktiviert werden. Nur in Mensch/Mensch-Mixturen – also: Klonen – werden die richtigen Gene aktiv, exakt so wie in normalen Embryos. Also könnten sich die Klone auch entwickeln: „Ihre DNA entspricht der eines normalen Embryos“, erklärt Lanza, „das erhebt die Frage nach ,reproduktivem‘ Klonen.“ (Cloning and Stem Cells, 11)

Unter den aktivierten Genen ist vor allem eines, das die ganze Klonerei überflüssig machen könnte: Oct-4. Man kann embryonale Stammzellen nicht nur via Embryos erzeugen, sondern auch dadurch, dass man erwachsene Zellen verjüngt. Bisher brauchte man dazu vier Gene, darunter Onkogene, die Krebs bringen. Nun hat es eine Gruppe um Hans Schöler (Münster) mit nur einem geschafft: Oct-4. (Cell, 136, S.411) jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2009)