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Selbststudie: Von einer, die auszog, um zu lieben

SPAIN ART RODIN
Symbol der Liebe: Rodins "Der Kuss".(c) EPA (Juan M. Espinosa)
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36 Fragen. Ein langer Blick in die Augen des Gegenübers. Schon ist man verliebt. Das bewiesen amerikanische Beziehungsforscher vor fast 20 Jahren. Jetzt hat eine New Yorker Journalistin den Selbstversuch angetreten.

Kann man in weniger als einer Stunde ein Gefühl echter Verliebtheit erzeugen? Der amerikanische Psychologe Arthur Aron ist davon überzeugt. Als Professor an der Stony Brook University auf Long Island im US-Bundesstaat New York forscht er seit Jahrzehnten zum Thema Liebe. 1997 brachte er die vielbeachtete Forschungsschrift "Die experimentelle Generierung zwischenmenschlicher Nähe" heraus. Für den Versuch setzten er und seine Kollegen wildfremde Menschen 45 Minuten gemeinsam in einen Raum. Nach 36 Fragen und einer vierminütigen Phase, während der sich die Testpersonen in die Augen sahen, konnten die Wissenschaftler eindeutige Zeichen von Verbundenheit und Nähe feststellen. Sechs Monate später heiratete das erste Testpaar sogar und lud das gesamte Labor zur Hochzeit ein.

New York Times-Autorin Mandy Len Catron interessierte Arons Versuchsanordnung – und erprobte sie kurzerhand an sich selbst. Vergangene Woche publizierte sie in ihrer Liebes-Kolumne das Ergebnis der amourösen Feldstudie. Es sei dazu gesagt: Weder waren sie und der Partner bei diesem etwas anders gearteten Blind Date vollkommene Fremde, noch fand das Ganze in einem Labor statt. Doch sie stellte fest, dass die von Aron entwickelten Fragen auch in einer überfüllten Bar schnell Nähe erzeugen können.

"Liebe ist etwas Aktives"

"Die meisten von uns denken, Liebe ist etwas, das uns passiert. Wir fallen. Wir werden davon erdrückt. Was ich an der Studie mag, ist, wie sie annimmt, dass Liebe etwas Aktives ist", schreibt Catron in ihrem Artikel. Die intimen Fragen und der lange Blick in die Augen des Gegenübers erzeugten etwas, das normalerweise Wochen und Monate braucht. Gleichzeitig sind die Probanden – wie auch Kolumnistin Catron feststellen musste – enorm verletzlich während des gegenseitigen Frage-Antwort-Spiels. Denn was als gewöhnlicher Smalltalk mit der Frage nach dem perfekten Dinnergast beginnt, taucht bald in tiefere emotionale Gewässer ab. Intime Themen wie Verlust, Tod und die Beziehung zur eigenen Mutter kommen zur Sprache. Und spätestens wenn man nach all dem aufgefordert wird, dem Partner wahrheitsgemäß ins Gesicht zu sagen, was man bereits an ihm mag, befindet man sich weit abseits des herkömmlichen Smalltalk-Terrains.

Catron kam mit ihrem Testpartner zusammen. Wobei das ihrer Meinung nach nur zum Teil Arons Fragen zu verdanken ist. Die Chemie hätte schon davor gestimmt. Den Verdienst der Studie sieht sie darin, dass sie ihnen einen bewussten Einstieg in die Beziehung ermöglichte. "Liebe ist uns nicht passiert. Wir sind verliebt, weil wir uns beide dazu entschieden haben."

Catrons Artikel "To Fall in Love With Anyone, Do This" in der New York Times:
http://www.nytimes.com/2015/01/11/fashion/modern-love-to-fall-in-love-with-anyone-do-this.html 

(loan)