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Eine unbequeme Goldkette

Spätmittelalter. Der elitäre Ritterorden vom Goldenen Vlies vertrat im 15. Jahrhundert das Herzogtum Burgund und damit bald die Habsburger.

Der Orden vom Goldenen Vlies diente zum Schutz der Kirche und war gleichzeitig ein Vertrauensbündnis für die Herzöge von Burgund – die im Spätmittelalter einen eigenen Länderkomplex zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich besaßen. Das französische Dijon war ihre Hauptstadt, doch gehörten die wirtschaftlich florierenden Städte Brüssel, Gent, Brügge, Ypern oder Löwen ebenfalls zum Herzogtum. Aus den burgundischen Niederlanden gingen später die heutigen Benelux-Staaten hervor.

Der Ritterorden wurde 1430 gegründet und zählte von Beginn an nur dreißig Mitglieder. Nur die vorbildlichsten und besten Edelmänner durften die Ehre und das Gemeinwesen Burgunds vertreten: „Sie lebten zwar ihr normales Leben, aber zum Zeichen ihrer Verbundenheit mussten sie täglich eine ein halbes Kilo schwere, riesige, unbequeme, goldene Kette tragen“, sagt Sonja Dünnebeil, Historikerin vom Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Dünnebeil konzentrierte sich in dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) finanzierten Projekt „Der Orden vom Goldenen Vlies“ auf eine kurze, aber wichtige Periode der Gemeinschaft: Denn Maria von Burgund – nach dem Tod ihres Vaters Alleinerbin des Herzogtums – heiratete 1477 Maximilian I. von Habsburg. Der Orden schlug ihn zum Großmeister. Maria starb 1482 bei einer Fehlgeburt. Maximilian erbte Burgund, aber nicht ohne Widerstand im Herzogtum: Die Stände mochten den fremden Herrscher nicht. Seine eigenen Untertanen warfen Maximilian 1488 zeitweilig sogar ins Gefängnis in Brügge, weil er im langjährigen Krieg gegen die Franzosen nicht nur einmal am Rand einer Niederlage war.


Pro und Kontra Maximilian I.

Es entbrannte ein jahrelanger Streit um den Habsburger: „Innerhalb des Ordens gab es fünf bis sechs Gegner von Maximilian. Das geht aus den Sitzungsprotokollen des Ordens eindeutig hervor“, sagt Dünnebeil. Die Elitären des Landes suchten über eine Dekade lang nach einer Kompromisslösung mit dem habsburgischen Herrscher.

Maximilians Vorteil war sein stetiger Machtzuwachs, etwa die Krönung zum König des Heiligen Römischen Reiches oder die Übernahme des Erzherzogtums Österreich. Er band damit den Orden vom Goldenen Vlies langfristig an das Haus Habsburg – zurzeit hat Karl Habsburg-Lothringen den Vorsitz. Die unbequeme Goldkette trägt er nicht täglich, nur zu gewissen Anlässen. (por)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2015)