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Was ich lese

Stadtentdeckerin, Leiterin der Artissimi- Kulturtouren
[ Foto: SKY Unlimited ]

Essays begleiten mich seit einigen Wochen, das hat sich so ergeben, ich lese viel, in Deutsch und Englisch. Vom100-jährigen US-amerikanischen Kulturwissenschaftler Carl E. Schorske habe ich im März ein Interview gehört und daraufhin sein Fin-de-Siècle Vienna (Vintage Books, London) gelesen.

Beeindruckt hat mich der Teil über die Ringstraße, in dem er die Entwicklung Wiens von der Gründerzeit bis zur Moderne in einem eleganten, knappen, viele Aspekte umfassenden Stil schildert. Ich lese gern österreichische Themen von nicht österreichischen Autoren. Es hilft mir, schon Gehörtes nicht zu überlesen, weil der Blickwinkel anders ist.

In Leben, denken, schauen schreibt die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt (Rowohlt Verlag, Reinbek) keinen Roman, sondern 32 Aufsätze, in denen sie über das Verhältnis von Kunst und Realität, Projektion und Wahrheit nachdenkt. Sie hat viele Interessen, sie schreibt scharfsinnig, auf eine freundliche, dem Leser zugewandte Art, und sie verwendet Alltagssprache. Dieses Buch muss man nicht in einem Zug durchlesen. Ich werde gern immer wieder darin lesen.

Und dazwischen brauche ich immer etwas zum Träumen, wie Antoine Laurains Roman Liebe mit zwei Unbekannten (Atlantik Verlag, Hamburg). Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, und es schwingt noch leise in mir nach: Paris, der Buchhändler Laurent findet eine elegante Damenhandtasche im Müll, deren Inhalt zwar nicht den Namen, aber viel Persönliches über die unbekannte Besitzerin preisgibt. Er ist fasziniert, beginnt, sie zu suchen... ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2015)