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Kevin Friesenbichler: Der Lauf eines Edeljokers

SOCCER - BL, A.Wien vs RBS
Kevin Friesenbichler(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Patrick Leuk)
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Kevin Friesenbichlers Tore sorgen bei Austria für ein Hoch. Die Tabellenführung weckt nun Hoffnungen, Trainer Thorsten Fink stapelt sicherheitshalber tief.

Wien. Austria hat den Angriff auf die Tabellenführung in der Fußballbundesliga abgewehrt. Zwar endete die Siegesserie der Violetten mit dem 1:1 gegen Verfolger Salzburg, die Wiener gehen dennoch mit drei Punkten Vorsprung in die Länderspielpause. Zu verdanken ist dieser Umstand Kevin Friesenbichler.

Die Leihgabe von Benfica Lissabon erfüllt seine Rolle als Edeljoker mit Bravour. Ob im Derby gegen Rapid oder zuletzt im Cup, sind wichtige Tore gefragt, ist der 21-jährige Steirer zur Stelle. Der Mittelstürmer wartet dabei geduldig auf seine Chance, in der Start-Elf von Thorsten Fink ist für Friesenbichler – noch – kein Platz. Larry Kayode ist gesetzt, doch der Nigerianer lässt zu viele Topchancen ungenützt. Diese Tatsache ist Fink aufgefallen, er sagt: „Wenn ich Friesenbichler bringe, ist er da. Er hat auch im Training jeden Ball reingehauen, er hat einen Lauf!“

Friesenbichler, dessen Vater Bruno und Onkel Günter auch auf Österreichs Spielfeldern als Stürmer durchaus kompromisslos unterwegs waren, spielte bereits als 14-Jähriger am Verteilerkreis. Er versuchte sich bei Admira, 2010 landete er in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Bei den Amateuren (36 Spiele, 16 Tore) sammelte er Erfahrung, die Schusskraft seines linken Fußes soll heute noch gepriesen werden, doch Bayern ließ ihn im Vorjahr nach Verletzungen ablösefrei ziehen.

Der Weizer heuerte daraufhin bei Benfica Lissabon an, landete jedoch nur im B-Team und wurde prompt an Lechia Gdansk (16 Spiele, fünf Tore) in die polnische Ekstraklasa verliehen. Wieder drängten ihn Knieprobleme, erlitten nach einem U21-Länderspiel, aus der Spur. Im Sommer wurde Sportdirektor Franz Wohlfahrt vorstellig, ein Leihvertrag mit Kaufoption vereinbart. 15 Spiele, sechs Tore (vier im Cup, zwei in der Liga) und vier Vorlagen später scheint Friesenbichler wieder in Favoriten angekommen.

 

Der Titeltraum

Thorsten Fink kennt das Geschäft, im Hoch blüht die Euphorie, manch Beobachter wähnt Austria bereits auf Titelkurs. Zumeist folgte bei Violett dann oft der Einbruch. Der Deutsche sagt: „Wir haben Qualität, die reicht, um Platz drei zu erobern in dieser Saison. Man kann träumen, aber aufwachen sollte man auch. Genießen wir lieber den Augenblick.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2015)