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Hoverboards: Eine Gefahr auf zwei Rädern

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Hoverboards bieten ein bisschen zu viel Action.APA/AFP/FREDERIC J. BROWN

Elektrisch angetriebene Rollbretter, auch Hoverboards genannt, entwickeln sich vom angesagten Spielzeug zum Verbotsprodukt Nummer eins.

Seit Michael J. Fox 1989 als „Marty McFly“ mit dem Hoverboard durch die Straßen von Hill Valley schwebte, träumt eine Generation von diesem technischen Wunderwerk. Doch auch 30 Jahre später sind die fliegenden Skateboards Zukunftsmusik. Mit dem Jahresjubiläum des Films „Zurück in die Zukunft“ waren aber auf einmal überall Hoverboards zu kaufen. Keine schwebenden Skateboards, sondern solche mit Rädern und akkubetriebenen Elektromotoren.

Das Prinzip der E-Boards ist einfach und schnell erklärt. Durch Gewichtsverlagerung kann man die Geschwindigkeit steuern und rückwärts fahren, und für Balance-Spezialisten sind sogar Pirouetten kein Problem. So einfach das Prozedere der Fortbewegung, so schwierig ist die Namensfindung, denn das Gerät ist unter Hoverboard wie auch unter E-Board, Mini-Segway, Waveboard, Swagway zu finden.

Zu guter Letzt präsentierten sich auch Promis mit den Hoverboards in der Öffentlichkeit. Darunter zum Beispiel Justin Bieber und Lily Allen, die ihre Fortschritte mit ihren Fans via Twitter und anderen Netzwerken teilten. Damit schien der Erfolgskurs der Hoverboards besiegelt. Ein Trugschluss, denn die Bretter stellten sich nur allzu schnell als gefährliche Höllengeräte heraus.

Feuer und Flamme. Die verbauten Akkus scheinen nicht die nötigen Sicherheitsstandards mit sich zu bringen. Kurz vor Weihnachten häuften sich Berichte über Geräte, die beim Aufladen explodierten. Dabei waren nicht nur die Billigversionen betroffen. Das Weihnachtsgeschenk, das bereits startklar unter dem Christbaum liegen sollte, sorgte dafür, dass ein Brite seine Küche nach der Explosion vollständig renovieren musste.

Glück im Unglück hatte Kevin MacLeod. Als er sein neues Spielzeug vor laufender Handykamera demonstrieren wollte, hatte er gerade noch Zeit abzuspringen. Denn kurz nach der Inbetriebnahme fing es Feuer. Weniger glimpflich ging es für einen Redakteur des Fachmagazins „C't“ aus, der dank eines komplizierten Ellbogenbruchs noch länger an das Hoverboard zurückdenken wird.

Technische Mängel. Durch einen Fehler in der Elektronik kam es beim „C't“-Test nämlich immer wieder zu abrupten Abschaltungen, bei denen die Räder blockierten. Ein anscheinend häufiger auftretendes Problem, das auch andere Besitzer auf der Plattform Reddit diskutieren. Amazon als größter Onlinehändler reagierte bereits auf die Berichte und hat einige Geräte aus dem Sortiment genommen. Zudem wurden die Sicherheitsauflagen verschärft. Die Hersteller, die vorrangig aus China und Hongkong kommen, sind dazu angehalten, Nachweise für die bedenkenlose Nutzung zu erbringen. In der Zwischenzeit wurden die Hoverboards in Deutschland auf öffentlichen Straßen verboten, und auch in Flugzeugen sind sie nicht gern gesehen.

Sollte man trotzdem nicht widerstehen können, sollte man sich nicht zwingend darauf verlassen, dass ein hoher Preis gute Qualität mit sich bringe. Denn alle Hoverboards haben ihren Ursprung in denselben Fabriken mit nahezu denselben Bauteilen. Wird dennoch ein Kauf erwägt, sollte dieser in einem Fachgeschäft erfolgen. Aus Garantiegründen sollte bei einem Onlinekauf eine Firma mit guten Bewertungen und Sitz in Europa ausgesucht werden. Ansonsten wird ein Umtausch immens schwierig und kostspielig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2016)