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ORF-Wahlfahrt in Grün-Blau: "Lieb bin ich schon"

ORF-Wahlfahrt: Norbert Hofer, Hanno Settele
ORF-Wahlfahrt: Norbert Hofer, Hanno SetteleORF (Andi Bruckner)
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Norbert Hofer gewährte private Einblicke, Alexander Van der Bellen zeigte Härte gegenüber Migranten. Gegenseitig ernannten sie sich zu "Lieblingsgegnern".

Anfangs schien es ein Abend zwischen zwei Extremen zu werden: Auf der einen Seite der 72-jährige grüne Professor mit Migrationshintergrund, auf der anderen Seite der 45-jährige freiheitliche Chefideologe mit Verbindungen zu Burschenschaften. Der Eine, Alexander Van der Bellen, wirkte zunächst eher gelangweilt, als er bei ORF-Redakteur Hanno Settele im Auto saß, um seine „Wahlfahrt“ zu absolvieren – mehr als ein Räuspern tat er nicht kund. Der Andere, Norbert Hofer, plauderte indes eifrig drauflos. „Ich spiele Gitarre“, „bete jeden Tag“ und „mein Kater glaubt, er ist ein Hund“, erzählte er gleich zu Beginn der Fahrt von Pinkafeld nach Graz.

Van der Bellen hingegen beschränkte sich darauf, an ihn gestellte Fragen in unaufgeregter Manier zu beantworten. Den Blick aus dem Fenster gerichtet. Erst nach einigen in Tirol zurückgelegten Kilometern wurde auch der Professor entspannter und gab, darum gebeten, sogar einen (Rabbiner-)Witz zu Protokoll. Spätestens, als der gebürtige Wiener verriet, dass er seine Haare von Toni, einem Libanesen, in Form bringen lasse und er einen hybriden Toyota mit „Aschenbecher-Attrappe“ fahre, war das anfängliche Kontrastprogramm aber doch passé und der Grüne punktete wie Hofer mit Plauderton.

Dabei dominierte Politisches die Zweisamkeit im schwarzen Mercedes: Einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union würde er als Staatschef nicht zulassen, betonte Van der Bellen. Das wäre der „größtmögliche Fehler – wirtschafts-, friedens- und machtpolitisch“. Das Tragen von Kopftüchern sei hingegen kein Problem für ihn, ebenso wenig „ein Kreuz am Halsband oder der Davidstern“. Auch an Kreuzen auf den Wänden von Klassenzimmern störe er sich nicht: „Wenn wir keine anderen Probleme haben, dann geht es uns sehr gut in Österreich.“

Ungewohnt harte Worte gab es von Van der Bellen beim Thema, wie mit Migranten umgegangen werden sollte. So wolle er nicht akzeptieren, dass Männer die ärztliche Behandlung durch Frauen verweigern: „Man muss das akzeptieren an Personal, was da ist. Irgendwann hört sich der Spaß auf.“

„Das hat mir viel Ärger eingebracht“

Angesicht der Flüchtlingskrise sprach sich Van der Bellen für Registrierungen an den Außengrenzen und eine Selektion aus: „Nicht jeder, der an der Grenze wartet, fällt unter die Genfer Flüchtlingskonvention und hat Anrecht auf Asyl.“ Er selbst, so der Grüne, der sich im Wahlkampf als „unabhängigen Kandidaten“ positionieren will („Das hat mir viel Ärger eingebracht“), habe sich in Österreich jedenfalls nie fremd gefühlt. Und das, obwohl seine Mutter Estin, sein Vater Russe war und sie eine Zeit lang „als Flüchtlinge im Zollhaus“ gelebt hätten.

ORF-Wahlfahrt: Alexander Van der Bellen, Hanno Settele
ORF-Wahlfahrt: Alexander Van der Bellen, Hanno Settele(c) ORF (Neumayr/SB)

Hofer betonte indes beim Thema Asyl, dass er die Bundesregierung im Vorjahr zu sich zitiert hätte, als tausende von Menschen täglich durch das Land nach Deutschland gezogen waren und Rot-Schwarz „allen rechtlichen Rahmenbedingungen“ zuwider gehandelt hätte. Sanfter gab er sich dann beim Thema FPÖ-Plakate: Slogans wie „Daham statt Islam“ seien schlicht „Wahlkampf“. Auch die Proteste gegen den jährlichen „Akademikerball“ in der Hofburg nahm er gelassen: „Ich kann es nachvollziehen, dass man das nicht will, wenn man politisch links ist.“

Hofer, der „Liebe“ aus der FPÖ

Viel politischer wurde es bei Hofer nicht. Stattdessen ließ er die Zuseher wissen, dass er mithilfe von Atemübungen am besten entspannen könne, und dass er früher „Segelfliegen, Kunstfliegen und Paragleiten gemacht“ habe. Konkret bis zu seinem Paragleitunfall im Jahr 2003. „Mein Schirm war plötzlich unter mir, sodass ich keine Chance hatte, ihn wieder aufzubekommen“, schilderte er. Die Folge: Ein Absturz aus 15 Meter Höhe, zahlreiche Rippen- sowie fünf Wirbelbrüche. Hofer: „Und dann liegst du da und du spürst deine Beine nicht mehr.“ Doch er habe Glück gehabt, sich „nur“ eine inkomplette Lähmung zugezogen, sodass er mittlerweile wieder gehen kann.

Ob sein blauer Hintergrund ein Nachteil im Wahlkampf sei, wollte Settele wissen. Hofer verneinte: „Ich bin jetzt nicht der, der irgendwo wild reinhaut.“ Auf den Einwand, dass er aber das Parteiprogramm für die FPÖ schreibe und sich somit nicht „ins Abseits stellen“ und „Ich bin eh der Liebe“ sagen könne, meinte der Freiheitliche: „Na, lieb bin ich schon.“ Settele reagierte lautstark lachend.

Anders als die beiden unabhängigen Bundespräsidentschaftskandidaten Irmgard Griss und Richard Lugner in der Vorwoche mussten Van der Bellen und Hofer am Dienstag keine Hymnen erraten, sondern sollten Politiker an deren Haarpracht erkennen. Nach Anfangsschwierigkeiten (die Frisur von Queen Elisabeth II. verband Van der Bellen mit Ludwig XIV., Hofer mit Margaret Thatcher), wurden Angela Merkel und Erwin Pröll von beiden identifiziert. Und auch in einem zweiten Punkt herrschte Einigkeit: Nicht nur Hofer wünschte sich Van der Bellen als Gegner in einer Stichwahl, auch der bekennende Raucher fände dieses Duell „interessant“. Denn: „Das ist eine gewisse Polarität, da muss man sich entscheiden. Wir sind auch sehr unterschiedlich, möchte ich meinen.“

Die letzte der drei Wahlfahrten wird am 7. April ab 20:15 Uhr auf ORF eins ausgestrahlt. Am Beifahrersitz finden sich dann SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer und ÖVP-Kontrahent Andreas Khol.