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ORF gegen FPÖ, FPÖ gegen ORF – die allerneueste Folge

Wahl 16
Wahl 16(c) ORF (Roman Zach-Kiesling)
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Ein Kleinkrieg mit Schusswechsel: Der ORF schoss sich auf den Hofburg-Kandidaten der FPÖ ein, diese schießt zurück.

Man merkte die Absicht. Und der Kandidat war verstimmt. Norbert Hofer wurde im TV-Duell am Donnerstagabend im ORF die Aussage eines israelischen Polizeisprechers vorgespielt, derzufolge es jenen Vorfall nicht gegeben habe, den Norbert Hofer während des Wahlkampfs immer wieder geschildert hatte: Er sei bei einem Israel-Besuch im Juli 2014 Zeuge einer Terrorattacke beim Tempelberg geworden, bei der eine Terroristin erschossen worden sei.

Norbert Hofer war jedenfalls empört, dass man ihm unterstelle, diesen Vorfall erfunden zu haben. Nicht nur im TV, sondern auch in den sozialen Medien stand der FPÖ-Kandidat zu diesem Zeitpunkt als Lügner entlarvt da. Doch das Blatt wendete sich binnen weniger Minuten. Ein Journalist twitterte einen Bericht der „Jerusalem Post“, demzufolge es einen solchen Vorfall gegeben hatte: Nicht so dramatisch geschildert wie von Hofer, aber eben doch. Unterhalb des Tempelbergs habe die Polizei eine jüdische Frau angeschossen, die sich verdächtig verhalten habe. Berichte weiterer israelischer Medien folgten.

Die Wahrheit lag also in der Mitte. Hofer als Lügner zu überführen – diese Trophäe konnten sich die ORF-Journalisten dann doch nicht an die Wand hängen.

Bereits am Vortag hatte Armin Wolf Norbert Hofer in der „ZiB 2“ vorgehalten, dass er mehr oder weniger damit prahle, in die Knesset, das israelische Parlament, eingeladen worden zu sein, in Israel wisse man davon aber nichts. Hofer räumte ein, der Besuch sei halt eher inoffiziell gewesen. Aber er sei dort gewesen. Hofer, so berichten Mitreisende, sei im Restaurant der Knesset von der damaligen Vizepräsidentin des israelischen Parlaments, Gila Gamliel, empfangen worden.

Während Armin Wolf am selben Abend allerdings auch Hofers Gegenkandidaten, Alexander Van der Bellen, hart rannahm, blieb dieser tags darauf im TV-Duell relativ ungeschoren. Für die FPÖ der Beweis, dass man eben nur den freiheitlichen Kandidaten vorführen wollte. Von einem „rot-grünen Propagandasender“ sprach FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. „Diese perfide und widerliche Wahlmanipulation des ORF muss Konsequenzen haben.“

 

Politmedialer Dauerkonflikt

Die FPÖ gegen den ORF. Der ORF gegen die FPÖ. Ein Dauerkonflikt. Die Freiheitlichen fühlen sich zumeist schlecht behandelt. Und die ORF-Journalisten können bei allem Bemühen um Objektivität mitunter nicht verbergen, dass sie den Freiheitlichen lieber als anderen eines auswischen würden.

Dass die aktuelle ORF-Führung um Alexander Wrabetz, dem aus freiheitlichem Elternhaus stammenden Generaldirektor, seinerzeit nicht zuletzt mithilfe der FPÖ ins Amt gehievt wurde, ist eine Pointe am Rande.

Der ORF kündigte gestern einen Faktencheck in der Causa Hofer und der Tempelberg an. „Die Ergebnisse dieser Analyse werden transparent offengelegt, auch, wenn sich dabei herausstellen sollte, dass der Berichterstattung unvollständige Angaben des Sprechers der israelischen Polizei zugrunde gelegen sind“, so TV-Direktorin Kathrin Zechner. Armin Wolf ist sich jedenfalls sicher: „Ein ORF-Skandal ist das nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2016)