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Gibt es eine Zukunft ohne Eurofighter? Heer prüft

THEMENBILD: EUROFIGHTER IM FLIEGERHORST HINTERSTOISSER
Themenbild: Eurofighter(c) APA/HARALD SCHNEIDER

Im Verteidigungsministerium arbeitet eine Sonderkommission an künftigen Modellen für die aktive Luftraumüberwachung. Spätestens bis Jahresende soll die politische Entscheidung über Abfangjäger stehen.

Wien. Um die Vergangenheit des Eurofighter kümmert sich, wenn man so will, das Parlament: Heute, Dienstag, startet der Untersuchungsausschuss. Die Abgeordneten sollen den Ankauf, die Intransparenz und die politische Verantwortung rund um den Deal unter die Lupe nehmen.

Im Bundesheer hingegen beschäftigt man sich mit der Zukunft, der Zukunft der aktiven Luftraumüberwachung nämlich: Eine Sonderkommission soll bis Sommer klären, wie und womit Österreich seinen Luftraum in Zukunft schützen soll. Auch Modelle ohne Eurofighter werden in Betracht gezogen. Derzeit sei alles offen, heißt es aus dem Heer. Die passive Luftraumüberwachung (mittels Radars) ist davon nicht betroffen.

Die Zeit für die Kommission drängt, und zwar aus zweierlei Gründen: Neben dem Eurofighter werden auch die Saab-105-Flieger eingesetzt, um den Luftraum zu überwachen. Diese Maschinen sind bereits seit 1970 im Betrieb, im Jahr 2020 müssen sie ausgemustert werden. Das Bundesheer braucht dementsprechend eine Vorlaufzeit, um die Nachfolger der Flieger zu beschaffen.

Gleichzeitig ist man auch mit der aktuellen Situation rund um den Eurofighter unzufrieden: Zum einen fallen hohe Kosten an, eine Flugstunde schlägt derzeit mit 80.000 Euro zu Buche. Für eine optimale Nutzung müsste man das Gerät allerdings aufrüsten. Den jetzigen Modellen fehlt beispielsweise eine Allwetterlenkwaffe, um ein Ziel bei jedem Wetter zuverlässig zu treffen.

 

100 Millionen Euro pro Jahr

Nun gibt es also den Plan, die aktive Luftraumüberwachung neu zu organisieren. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat Luftstreitkräftekommandanten Karl Gruber beauftragt, bis Sommer „alle Optionen“ zu prüfen: Die Luftraumüberwachung soll effektiver gestaltet werden, im Idealfall kostengünstiger sein. Derzeit kostet die aktive Überwachung – also mittels Jets – rund 100 Millionen Euro im Jahr.

19 Modelle werden nun von der Kommission geprüft: Dabei geht es um die Ausbildung der Piloten, Kooperationen mit dem Ausland, neue Simulatoren und potenziell neues Gerät. Eine Präferenz oder eine Typenentscheidung gibt es laut Gruber noch nicht. Als Alternativmodelle für den Eurofighter kommen jedenfalls etwa die F-16 (USA), Gripen (Schweden) oder Rafale (Frankreich) infrage.

Am 28. Juni soll die Kommission Minister Doskozil zwei bis vier Varianten empfehlen. Noch im Sommer könnte man mit etwaigen Ausschreibungen oder Verhandlungen mit anderen Regierungen starten. Spätestens bis Jahresende brauche man allerdings Klarheit, wohin es geht. In einem Jahr sollte ein Vertrag stehen.

 

Mehr Piloten, mehr Flüge

Grundsätzlich gilt: Gruber will in Zukunft, dass die Piloten 120 Stunden pro Jahr fliegen. Insgesamt sollte das Personal auf 2880 Flugstunden kommen, derzeit sind es 2758. Auch das Personal soll aufgestockt werden: Das Heer brauche 24 Piloten, sechs Lehrer und sechs Schüler – also insgesamt 36 Mitarbeiter. Derzeit gibt es in diesem Bereich insgesamt 30 Personen. (ib)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2017)