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Das Konzil von Kopenhagen

Gelassene und Besonnene hüten sich vor jenen, die versprechen, die Welt zu retten.

In diesen Tagen der klirrenden Kälte geht die Konferenz in Kopenhagen zu Ende, bei der entscheidende Maßnahmen gegen eine mögliche Erwärmung der Atmosphäre beschlossen werden sollen. Es ist ein gigantisches mediales Ereignis, allein vergleichbar mit den ersten großen Konzilen von Nicäa, von Konstantinopel, von Ephesus, von Chalzedon, als sich eine triumphierende Kirche als Trägerin jener Botschaft empfand, welche die Welt aus den heidnischen Angeln hebt.

In seinem Buch über die „Geistesgeschichte der christlichen Antike“ beschreibt Carl Schneider diese Treffen: „Es waren die letzten und zugleich größten Demonstrationen der Einheit des römischen Reiches. Sie zeigten ein außerordentlich buntfarbiges Bild. Hier saßen neben den aalglatten Diplomatentypen der griechisch-byzantinischen Hofbischöfe gerade bäuerliche und soldatische Naturen wie der Apa Schenute, der aus seinen Wüstenkasernen kam, neben klugen keltischen Bischöfen aus Gallien und Britannien machtbewusste Germanenbischöfe vom Rhein oder aus den Gotenländern, neben syrischen Realisten alexandrinische Idealisten, neben würdevollen, dogmatisch uninteressierten, aber juristisch formulierenden Oberitalienern und Afrikanern christliche Neuplatoniker subtilster Prägung aus Kleinasien, robuste, machtgierige, soldatische Kämpfer neben blassen, aristokratischen Denkern, Sozialreformer und Weltgestalter wie Basileios neben herben Asketen und Weltflüchtigen.“

Nicht anders spielt es sich in Kopenhagen ab, wenn man den Bildern trauen darf, die sowohl die geschmeidig agierenden Politiker und Diplomaten wie auch die wild gestikulierenden Demonstranten und die sich anarchisch gebärdenden Vertreter verschiedenster NGO zeigen. Der Vergleich greift, über diese Äußerlichkeiten hinweg, tiefer. Denn Klimawandel ist nicht mehr Hypothese einer Wissenschaft, sondern Drohbotschaft einer Religion: des Gaia-Kults.

Bestes Indiz dafür ist, wie mit Skeptikern verfahren wird, die darauf hinweisen, dass sich das Klima seit Bestehen der Atmosphäre immer wieder gewandelt hat, auch zu Zeiten, als es noch gar keine Menschen gab, mit Skeptikern, die der Gewissheit misstrauen, mit der man Horrorprognosen verkündet. Gegen sie wird nicht argumentiert, sie werden bestenfalls ignoriert, im Allgemeinen als Scharlatane lächerlich gemacht, zuweilen sogar als Kriminelle verunglimpft, denn sie würden am (für die Propheten des Gaia-Kults höchst profitablen) Glauben an die von Menschen verursachte Erwärmung der Atmosphäre rütteln und damit alles konterkarieren, das dem angedrohten Untergang des Planeten entgegenwirkt. Kurz: Diese Skeptiker brandmarkt man als Häretiker.

Zugegeben: Es ist richtig zu fordern, behutsam mit der Natur umzugehen. Doch darum geht es beim Gaia-Kult längst nicht mehr. Dieser verkündet nicht mit aller Vorsicht Vernünftiges, sondern apodiktisch Ungeheures: die ganze Welt zu retten.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2009)