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Pustertaler Erinnerungen: Glücklich. Trotz allem.

Sie war immer freundlich, neugierig und offen, und sie war lebensfreudig, obwohl sie sich in ihrem eigenen Leben kaum etwas gegönnt hat. Sie war immer schon da. Und sie gehörte zur Familie, irgendwie. Vor Kurzem ist sie gestorben, mit fast 93 Jahren. Meine Gotl: ein Pustertaler Erinnerungsblatt.

Sie war immer schon da. Und sie gehörte zur Familie, irgendwie. Wie genau, darüber machte ich mir lange Zeit keine Gedanken. Damals, als ich selbst noch jung war, erschien mir meine Tante stets gleich alt. Viel älter natürlich als ich und meine Schwestern, aber nicht so alt wie meine Großmutter. Also irgendwie dazwischen. Eigentlich hatte ich viele Tanten, denn mein Vater hatte zahlreiche Geschwister. Aber im Grunde gab es für mich nur diese einzige Tante: meine Patentante, die Gotl, wie wir sie in der Familie nannten. Anna hieß sie, aber ihren Vornamen habe ich nie verwendet. Ich habe nur gute Erinnerungen an sie. Ich habe sie geliebt. Als ich noch ein Kind war, hat sie mir Patengeschenke gebracht, etwa die gebackene Ostertaube, die sogenannte Colomba, deren Ankunft ich kaum erwarten konnte. Die Gotl war immer freundlich, neugierig und offen, und sie war lebensfreudig, obwohl sie sich in ihrem eigenen Leben kaum etwas gegönnt hat. So war sie, meine Gotl. Vor Kurzem ist sie gestorben, mit fast 93 Jahren.

Wer war diese Frau? Fünf Jahrzehnte langhabe ich sie gekannt und geliebt, aber im Grunde habe ich wenig über sie gewusst. Sie gehörte eben dazu zur größeren Familie. Erst jetzt, da sie nicht mehr da ist, beginne ich mir Gedanken über ihr Leben zu machen. Wenige Wochen nach ihrem Tod blätterte ichin einem alten Familienalbum, das ich jahrzehntelang nicht mehr in der Hand gehalten hatte. Ich war auf der Suche nach Kinder- und Jugendbildern meiner jüngeren Schwester, die ihren 50. Geburtstag feierte. Zu diesem Anlass wollte ich eine kleine Diaschau beisteuern, eine Bilderreise von ihrer Geburt bis in die heutigen Tage.