Cartellverband: Die Brüder, die nicht schlagen

CV(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Katholische Studentenverbindungen grenzen sich von schlagenden Burschenschaften strikt ab. Aus mehreren Gründen.

Wien. Sie tragen Deckel, also die traditionelle Kopfbedeckung. Zu besonderen Anlässen haben sie auch ihren Schläger bei sich – den Säbel. Und ein Band mit verschiedenen Farben gehört sowieso dazu: Mitglieder des Österreichischen Cartellverbands (ÖCV) wirken auf den ersten Blick wie schlagende Burschenschafter – und leiden auch darunter. Denn die katholischen Studentenverbindungen grenzen sich strikt von den anderen Burschenschaften ab.

Im Laufe der Geschichte bekämpften sich die beiden Gruppen auch gegenseitig. Die einen auf der Seite der katholischen Kirche, die anderen dagegen. Tatsächlich gibt es aber auch einige Parallelen, nicht nur optischer Natur: Auch zum ÖCV gehören Studentenverbindungen, zu denen man sich ein Leben lang bekennt. Mit „man“ sind Männer gemeint, denn Frauen können einer Verbindung nicht beitreten. Es gibt zwar auch Zusammenschlüsse von Frauen, formal sind sie aber nicht den männlichen komplett gleichgestellt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen, ob man sämtliche Verbindungen für beide Geschlechter öffnen sollte. Meistens waren aber die aktiven Studenten dagegen.

Im ÖCV gibt es demnach auch sogenannte Burschen, die aktiven Studenten. Nach ihrem Abschluss werden sie zu sogenannten alten Herren oder Philistern. Und so wie einige Burschenschafter der FPÖ angehören, zieht der CV viele ÖVP-Mitglieder an. Oder umgekehrt.

Und die Unterschiede? Zu dem ÖCV gehören nur katholische, nicht schlagende Verbindungen. Mensuren werden also nicht gefochten, dafür gibt es unter den Cartellbrüdern ein klares Bekenntnis zum katholischen Glauben. Außerdem erhalten sie auch einen Coleurnamen, den sie in manchen Fällen auch selbst aussuchen können. Auch die Historie wird im Cartellverband gerne betont: 1938 stellten sich die katholischen Studentenverbindungen gegen die Nazis. Man versteht sich als Österreich-Patrioten, deutschnationales Gedankengut lehnt man strikt ab.

Neben Religio, also der Religion, und Patria, der Heimat, bekennen sich die Cartellbrüder zu zwei weiteren Prinzipien: der Scientia (Wissenschaft) und Amicitia (Lebensfreundschaft).

 

Germanen-Lied mit Fußzeile

Am Mittwoch wurde der CV allerdings wieder mit den schlagenden Burschenschaften in Verbindung gebracht: Das NS-verherrlichende Lied aus dem Buch der Burschenschaft Germania taucht – allerdings ohne Holocaust-Zeile und mit Fußzeile – auch im „Kommersbuch“ der katholischen Couleurstudenten auf. Das Lied findet sich in einer mittlerweile überarbeiteten Auflage aus dem Jahr 1984.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2018)