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Sri Lanka: Radikale Buddhisten attackieren muslimische Minderheit

Szenen der Verwüstung: Moschee nahe Kandy
Szenen der Verwüstung: Moschee nahe KandyREUTERS
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Nach Angriffen auf moslemische Geschäfte und Moscheen verhängt die Regierung den Ausnahmezustand. Die britische Regierung warnt vor Reisen. Wien rät, sich von Menschenmengen in Kandy fernzuhalten.

Das asiatische Urlauberparadies Sri Lanka befindet sich im Ausnahmezustand. Rabiate, extremistische Buddhisten stacheln derzeit die Bevölkerung zu Gewalt gegen die muslimische Minderheit an: Mehr als 150 Geschäfte muslimischer Sri Lanker wurden in den letzten Tagen verwüstet, zahlreiche Moscheen zerstört und muslimische Bürger angegriffen.

Maskierte Männer mit Schlagstöcken wurden in den Straßen Kandys gesehen, der für Buddhisten "heiligen Stadt". Hier wird eine heilige Reliquie, der Zahn von Buddha, verehrt.  In Kandy und Umgebung kam es  zuletzt wiederholt zu Zusammenstößen zwischen radikalen Buddhisten und der Polizei, bei denen auch Polizisten verletzt wurden. Die Regierung hat die Armee in die Kandy-Region geschickt.

Mehr als 70 Menschen seien in der Region wegen Angriffen auf Häuser und Geschäfte von Muslimen verhaftet worden, sagte Polizeisprecher Ruwan Gunasekara am Donnerstag. Etwa zehn weitere säßen wegen Volksverhetzung und der Steuerung von Mobangriffen in Haft.

Die Gewalt war eskaliert, als in Kandy ein buddhistischer Jugendlicher nach einer Prügelei mit Moslems ums Leben gekommen war.  Kurz darauf wurde die Leiche eines 24-jährigen muslimischen Mannes aus einem niedergebrannten Gebäude geborgen. Die Regierung hatte am Dienstag einen landesweiten Ausnahmezustand verhängt - zum ersten Mal seit Ende des Bürgerkrieges. Auch der Zugang zu sozialen Medien wurde gesperrt.

Parlament entschuldigt sich bei Moslems

Das Parlament entschuldigte sich bei der muslimischen Minderheit für die brutalen Angriffe radikaler Buddhisten.  Auch Kricket-Star Kumar Sangakkara richtete sich an die Bevölkerung: "Es gibt in Sri Lanka keinen Platz für Rassismus und Gewalt. Stopp!".

Angestachelt wurde die Gewalt von nationalistischen, radikal-buddhistischen Gruppen, die seit Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2009 zunehmend an Bedeutung gewinnen. Unter anderem heben sie die „reinen“ buddhistischen Wurzeln Sri Lankas hervor, die ebenfalls hinduistisch oder moslemisch geprägte Vergangenheit leugnen sie. Hauptfeind ist die muslimische Minderheit, die sie als demografische Bedrohung ansehen. Bereits 2014 kam es zu Angriffen auf moslemische Dörfer.

Reisewarnung

Beobachter erzählen, wie Gerüchte über verwüstete buddhistische Tempel verbreitet werden und sich dann der Mob auf Moslems stürzt.

70 Prozent der Sri Lanker sind buddhistische Singhalesen. Viele Moslems auf Sri Lanka sind Händler.

Kandy ist ein bei Touristen beliebtes Reiseziel. Großbritannien und die USA haben wegen der angespannten Lage Reisewarnungen für Sri Lanka herausgegeben.

Auf der Homepage des Außenamtes in Wien wird gemahnt: "Halten Sie sich bitte von Menschenansammlungen fern und folgen Sie den Anweisungen von Sicherheitskräften."

 

(basta, ag.)