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"Weltfremd" und "peinlich": Shitstorm für Zwölf-Stunden-Tag-Video der Wirtschaftskammer

Screenshot aus dem WKO-Video
Die Arbeits- und Freizeitwelt der Österreicher - eine Insel der Seeligen?Screenshot Youtube (c) WKO
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"Willkommen in der neuen bunten Welt der Arbeit" - mit diesem Video will die WKO spielerisch offene Fragen zum Zwölf-Stunden-Tag beantworten. Im Netz kommt der Versuch allerdings nicht gut an.

"Weltfremd", "bodenlose Frechheit", "die Tagespresse hätte es nicht besser gekonnt" - diese Kommentare zählen auf Youtube noch zu den netteren unter dem neuen Video der Wirtschaftskammer (WKO). Seit Tagen gehen die Wogen rund um den Zwölf-Stunden-Tag hoch, nun wollte die WKO einen Beitrag leisten, um Fragen rund um das ÖVP-FPÖ Arbeitszeitgesetz zu klären. Und dieser fiel doch etwas skurril aus.

 

In dem Zeichentrick-Spot "Willkommen in der neuen bunten Welt der Arbeit" werden auf einer Insel, die die Arbeits- und Freizeitwelt der Österreicher darstellt, verschiedene Varianten durchgespielt, wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit den Österreichern zugutekommen soll. In einem eigens dafür komponierten Song wird der WKO-Slogan "Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut" in den wiederkehrenden Refrain "Geht’s dem einen gut, dann geht’s uns allen gut" umgewandelt. Dieses Motto zieht sich mit wechselnden Namenspaaren durch den ganzen Song, etwa: "Geht’s dem Werner gut, geht’s auch der Erna gut, und geht’s der Feli gut, geht’s auch dem Heli gut."

Twitter: "Billige und plumpe Propaganda"

Der offenbar gewünschte Gute-Laune-Effekt trat beim Großteil der Zuseher im Internet allerdings nicht ein. Vielmehr reagierten die meisten in den Kommentaren mit Häme bis hin zu Wut. Seit Montag hat das Video auf Youtube mehr als 134.000 Views (Stand 19.6., 17 Uhr) erreicht, die Bewertungen fielen dabei negativ aus: 208 "Daumen hoch" standen mehr als 9200 "Daumen runter" gegenüber. Auch in anderen Social Media Kanälen wie Twitter und Facebook brach ein regelrechter Shitstorm über die Wirtschaftskammer herein.

Die User beklagten auf Twitter die "billige und plumpe Propaganda", das Video sei "peinlich, infantil und teuer schlecht produziert". Kritisiert wurde zudem, dass der Spot wohl durch die Kammerpflichtbeiträge finanziert worden sei. Auch viele Unternehmer protestierten und waren mit der Darstellung des Sachverhalts durch das Video nicht einverstanden.

WKO: Einladung zu "sachlicher Diskussion" der Bedenken

Die Wirtschaftskammer hat inzwischen auf die negativen Rückmeldungen reagiert. In einem Post auf Youtube zeigte sich die WKO überzeugt, dass "die flexiblen Arbeitszeiten ein Gewinn für alle sind: für die ArbeitnehmerInnen, für die Betriebe und für den Standort." Gleichzeitig habe man aber verstanden, dass die Nutzer mit der Darstellung der flexiblen Arbeitszeiten nicht einverstanden seien. Deshalb lade man alle ein, an einer "sachlichen Diskussion" der Bedenken auf Facebook teilzunehmen.