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Terrassen über Trassen

Nach dem Desaster am Heumarkt hat die Stadt Wien auf den Althangründen einen „Lucky Punch“ gelandet: Aus einem toten Viertel könnte eine durchgrünte Raumstadt werden. Hochhäuser braucht es dafür nicht. Ein Projekt von Artec.

Die Stadt über der Stadt: Das war ein Architektentraum, der in den Jahren zwischen 1955 und 1975 gerne geträumt wurde. Alison und Peter Smithson, wichtige Vertreter des derzeit im Architekturzentrum Wien in einer Ausstellung gewürdigten „Brutalismus“ reichten 1957 bei einem Wettbewerb für die Neugestaltung des Zentrums von Berlin einen Entwurf ein, der über dem Raster der gründerzeitlichen Stadt ein Netzwerk von Hochstraßen vorsah, an denen sich kleine Gruppen von Turmhäusern – im Englischen „Cluster“ genannt – anlagern sollten. Den Wettbewerb konnten die Smithsons nicht gewinnen, aber er verhalf ihnen zu einem Auftrag in London, dem „Economist Cluster“, einer Gruppe von drei höhenmäßig abgestuften Bürotürmen mitten in der Altstadt, angeordnet an einer erhöhten, vom motorisierten Verkehr freien Plaza.

Die Überlagerung von Stadtebenen unterschiedlicher Nutzung ist keine neue Idee. Sie findet sich bereits bei Leonardo da Vinci in einer Skizze für die Stadtentwicklung von Mailand und in vielen Stadtvisionen des 20. Jahrhunderts: Antonio de Sant'Elia, Le Corbusier und Ludwig Hilberseimer konzipierten Städte mit sauber getrennten Verkehrsebenen, und der jüngst mit dem Kiesler-Preis ausgezeichnete Yona Friedman konnte eine ganze Karriere auf das Skizzieren von „Raumstädten“ aufbauen, in denen man – über den Metropolen Europas schwebend – die chaotischen Zustände auf dem Boden hinter sich lassen konnte. Ideen wie diese sind ansteckend wie eine Infektionskrankheit. Sie können in Architektinnen und Architekten das kritische Bewusstsein lähmen und sie dazu verleiten, offensichtlich problematische, nur entfernt mit den ursprünglichen Ideen verwandte Lösungen umzusetzen, weil sie von einem Trend legitimiert erscheinen.