Das macht der Opa

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Omas leben heute nicht mehr zwangsläufig in kleinen Zimmern und manche können sich sogar ein Louis-Vuitton-Portemonnaie leisten. Aus diesem spenden sie Kindern und Enkeln Bares, aber Zeit haben sie nicht so viel.

"Selten", sagt Herta auf die Frage, ob sie ihre Enkelkinder oft sehe. Herta ist Ärztin. "Leider nein", meint Renate auf die Frage, ob sie eine engagierte Großmutter sei. "Nie!", ruft Maria, sie hat sich mit dem Schwiegersohn zerstritten. Ein schrecklicher Kerl! Da nützte es nichts, dass Maria dem jungen Paar ein kräftiges Sümmchen für den Hausbau spendierte. „Alles muss man sich auch nicht gefallen lassen!“, spendet Brigitte eifrig Beifall - und Vroni betont: "Ich muss nicht Großmutter werden!" Was sind denn das für Omis? Wissen die nichts von der Grandmother-Theory, die bei Betreuung von Enkeln ein längeres Leben verspricht? Haben diese Frauen noch nie etwas von Schlagersänger Heintje gehört? "In Omas kleinem Zimmer, sitz ich so gern bei ihr, sie weiß die schönsten Märchen . . ." Ja, da fängt das Problem schon an.

Omas leben heute nicht mehr zwangsläufig in kleinen Zimmern und manche können sich sogar ein Louis-Vuitton-Portemonnaie leisten. Aus diesem spenden sie Kindern und Enkeln Bares, aber Zeit haben sie nicht so viel. Es gibt die bekannten Gründe, weil die Oma berufstätig ist, es gibt aber auch die weniger bekannten Gründe: Die Oma findet, dass sie sich Jahrzehnte lang um die Familie gekümmert hat: dem Ehemann und den Kindern Trost spenden, Ausgleichen nach beiden Richtungen (die Pubertät!), selbst in einem anspruchsvollen Beruf arbeiten, liebhaben und Betreuung organisieren. Jetzt, so denken diese Frauen, kommen sie mal selber dran. Ein bisschen wenigstens. "Großmutter, die zeit ihres Lebens für ein Dutzend Menschen gekocht und immer nur die Rest aufgegessen hatte, speiste jetzt im Gasthof! Was war in sie gefahren?", heißt es in Brechts Erzählung "Die unwürdige Greisin".

Doch Rettung naht, für viele omalose Familien. Opa springt ein. Er ist ein bisschen älter als Oma, er ist schon in Pension, Jahrzehnte lang hat er sich vor allem um seine Karriere gekümmert, manchmal war er so grantig, aber jetzt hat er Zeit. Er möchte alles gutmachen, darum schnappt er sich seine Enkelin Jasmin und geht mit ihr zum Ikea Lampen kaufen, weil sie studiert noch, ist gerade ausgezogen und sie braucht ein paar Sachen für ihre WG. Das hat man jetzt. Sagt Opa: "Eine Wohngemeinschaft, viel billiger als ein eigenes Haus." Und Jasmin flüstert ihrer WG-Genossin zu: "Weißt, der Opa ist immer viel geduldiger als die Oma!"