„Schwarzer“ General in der „roten“ Ära

Emil Graf Spannocchi war als erster Armeekommandant eine Legende.

Sein Name glänzt noch heute. Das ist bei einem Offizier des Bundesheeres nicht selbstverständlich. Außer Emil Graf Spannocchi (1916–1992) ist heute wohl kein österreichischer Armeekommandant bzw. Generaltruppeninspektor so im Gedächtnis der Nachwelt geblieben.

Das ist durchaus auch der Eigen-PR des Ex-Wehrmachtsoffiziers im Generalstab geschuldet, die er ganz gezielt einsetzte, um für die Akzeptanz des Heeres zu werben. Die Attitüde des auf Schloss Aigen geborenen Sohnes eines adeligen k. u. k. Obersten, mit einer Gräfin Czernin von und zu Chudenitz verheiratet und Vater von fünf Sprösslingen, imponierte der Öffentlichkeit. Auch den Politikern, die froh waren, endlich einen Strategen gefunden zu haben, der in den Sechzigerjahren ein plausibel erscheinendes Verteidigungskonzept propagierte: Sollte das Land von einer der beiden feindlichen Blockmächte besetzt werden, dann empfehle sich nur hinhaltender Guerillakrieg. Mit Panzern könne sich Österreich nicht zur Wehr setzen, dekretierte der gelernte Panzeroffizier, aber durch Ortskenntnis allfälligen Besetzern das Leben sauer machen. Mit großspurigen Manövern wollte man potenziellen Angreifern vorsorglich die Krallen zeigen.

 

Der Dreisterne-General und Kreisky

Das gefiel. Zu seinem – und unserem – Glück musste der Versuch nie gewagt werden. Aber Spannocchi machte Karriere. Zunächst als Kommandant der (späteren) Verteidigungsakademie, dann als einziger Dreisterne-General. Und dies alles in den Achtzigerjahren während der Regierungszeit Bruno Kreiskys. Der SP-Kanzler schätzte den alten Adel, die perfekten Umgangsformen, in der Diplomatie, beim Heer und bei seinen engsten Mitarbeitern im Kabinett. Wer damit die Personal-Deals des letzten SP-Kanzlers und dessen Kulturministers vergleicht (Fall Husslein-Arco), wundert sich kaum mehr über die aktuellen sozialistischen Umfragewerte.

Dass es zwischen Spannocchi und Kreisky zeitweise zu erheblichen Spannungen kam, ist kein Geheimnis. Nicht nur wegen der parteipolitischen Gegensätzlichkeit. „Span“ verurteilte entschieden Kreiskys Wahlschlager „Sechs Monate Wehrdienst sind genug“. Trotz gegenseitigen Respekts verstanden sie die Aufgaben des Bundesheeres sehr verschieden. Spannocchi habe auf militärische Verteidigungskraft gesetzt, das sei Kreisky fremd gewesen, schreibt der Militärhistoriker Georg Reichlin-Meldegg. Der Bundeskanzler setzte entschieden auf Diplomatie und Neutralität: Die UNO-City könne die Stadt Wien wesentlich besser schützen als sämtliche österreichischen Panzer.

 

Tod im Sattel

Die Divergenzen zermürbten letztlich den ersten SP-Verteidigungsminister, den Brigadier Johann Freihsler. Er trat bereits nach neun Monaten vom Amte zurück, dann fand Kreisky – er leitete übrigens im Februar 1971 das Ressort interimistisch vier Tage lang – den parteilosen Brigadier Karl (von) Lütgendorf. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Generalstab war „Lü“ nicht bekannt. Er liebte Strukturreformen im Alleingang. Spannocchi freilich profitierte davon, wurde Armeekommandant, also oberster militärischer Befehlshaber.

1981 ging Spannocchi hochgeehrt in Pension. Er frönte weiter dem Pferdesport, dieser brachte ihm schließlich 1992 den Tod. Ein Reitunfall. Die Armee hatte ihren populärsten Fürsprecher verloren.

Das Buch:

Georg Reichlin-Meldegg, Wolfgang Wildberger:
„Emil Spannocchi.
Ein General für jede
Jahreszeit“
Österreichischer Milizverlag,
132 Seiten, 25 Euro