Neue Neuronen bilden sich doch bis ins hohe Alter

Noch im neunten Jahrzehnt wachsen neue Nervenzellen im fürs Erinnern zuständigen Hippocampus.
Noch im neunten Jahrzehnt wachsen neue Nervenzellen im fürs Erinnern zuständigen Hippocampus.(c) imago/StockTrek Images (Bruce Rolff)

Noch im neunten Jahrzehnt wachsen neue Nervenzellen im fürs Erinnern zuständigen Hippocampus.

„Alles muss sterben. Nichts kann erneuert werden.“ So pessimistisch formulierte Santiago Ramón y Cajal, ein Vater der Hirnforschung, 1928 die These, dass das menschliche Hirn nach der frühen Kindheit keine neuen Zellen mehr bilde. In den Sechzigerjahren fand man, dass etwa bei erwachsenen Ratten sehr wohl Neurogenese stattfindet, nämlich im Hippocampus, wo das Gedächtnis sitzt. Doch die Überzeugung, dass dies just bei Menschen nicht so sei, hielt sich lang, bis in die Neunzigerjahre. Und sie hatte vor einem Jahr ein Comeback, als Forscher um Shawn Sorrells (San Francisco) in Nature (555, S. 377) berichteten, dass die Neubildung von Neuronen im Hippocampus bei Menschen schon nach einem Lebensjahr auf ein „undetektierbares Niveau“ falle.

Dem widersprechen spanische Neurologen um María Llorens-Martín nun in Nature Medicine (25. 3.) entschieden. Sie haben Gewebsproben von 58 frisch Verstorbenen untersucht – und gefunden, dass die Neurogenese im Hippocampus zwar im Verlauf des Lebens leicht abnimmt, aber bis ins neunte Lebensjahrzehnt stattfindet. In ihrer Publikation betonen sie, dass ihre Behandlung der Proben „state of the art“ gewesen sei, sie hätten auch zeigen können, wie unsachgemäße Probenbehandlung den Nachweis neuer Neuronen störe – ein deutlicher Seitenhieb auf die Konkurrenten.

Bei Alzheimer allerdings, schreiben sie, schrumpfe die Zahl neu gebildeter Neuronen mit Fortschreiten der Krankheit. Das spreche für die Auffassung, dass Alzheimer sich ganz wesentlich vom normalen Altern unterscheide. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2019)