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Ein Ja zum Burka-Verbot ist ein Ja zur Säkularisierung

Ein Burka-Verbot wäre eine Absage an die Unterdrückung der Frau.

Ich bin es leid, ständig den Koran bemühen zu müssen, wenn in Debatten über Burkas und andere Ganzkörperschleier diskutiert wird. Im Koran gibt es lediglich zwei Stellen, die eine Verschleierung der Muslima andeuten. Jedoch ohne präzise Vorgaben, wie genau diese auszusehen hat. Alles andere wurde mit der Zeit schichtweise von islamischen Theologen hinzugefügt und diente lediglich dazu, die Frau im Zaum zu halten und kontrollierbarer zu machen.

Die wichtigste Frage sollte hier aber lauten: Was spielt es für eine Rolle, ob dies so im Koran steht oder nicht, und ob dies im islamischen Recht als vorgeschrieben gilt? Religionsfreiheit bedeutet nicht, Unmenschliches und Antidemokratisches im Namen der Religion tolerieren zu müssen, weil dies durch einen Religionsstifter und seine ideologischen Nachfahren vor 1400 Jahren gefordert wurde und unter orthodoxen Muslimen bis heute als vorbildlich gesehen wird (=Sunna). In einem säkularen europäischen Staat sind die universellen Menschenrechte die Grundlage unserer Denkweisen und Gesetze. Auch ist blindes Befolgen islamischer Regeln nicht zeitgemäß. Wenn Vernunft und Freiheit von orthodoxen Muslimen als heidnisch abgelehnt werden, muss die logische Konsequenz lauten: Die aus Vernunft und Freiheit entstandene moderne Demokratie wird ebenfalls abgelehnt.

 

Anti-intellektuelle Orthodoxie

Das Beharren auf die Burka-Tradition ist das Vorpreschen innerhalb eines europäischen Staates in einen reaktionär islamischen. Unnötig zu erwähnen, wie wenig unser Begriff von Menschenrechten einer islamisierten Auffassung des Gleichen ähnelt. Wir sind so weit, dass die Frauen endlich ihren gleichberechtigten Platz neben dem Mann gefunden haben. Ungeachtet ihrer moralischen Erscheinung.

Bereits der Anblick dieser Form der Verhüllung kann in einem aufgeklärten Menschen nur Unverständnis und heftiges Kopfschütteln hervorrufen, da unser modernes Bild von Freiheit diesem stark widerspricht, sogar widersprechen muss. Der moderne Europäer hat seine eigene Geschichte dazu, die ebenfalls von einer finsteren Zeit spricht, in welcher die freiwillige Unterwerfung unter das Christentum so fortgeschritten war, dass beinahe das gesamte antike Wissen von Platon bis Pythagoras diesem zum Opfer fiel. Schwer zu glauben, dass es eine Epoche gab, in der islamische Kalifen den Versuch unternahmen, das hellenistisch-säkulare Wissen mit dem Islam in Einklang zu bringen.

Doch was sich heute, fast ein Jahrtausend später, abspielt, entspricht diesem aufgeklärten Bild des Islam nicht mehr. Die islamischen Länder sind trotz enormer Einnahmen durch den Ölverkauf und ihre Lage auf geostrategisch wichtigen Routen wirtschaftlich am Boden und scheinen unfähig oder nicht gewillt zu sein, diese Milliardeneinnahmen der eigenen Bevölkerung zugutekommen zu lassen. Der Reichtum wird – wie so oft in der islamischen Geschichte dokumentiert – innerhalb der herrschenden Schicht aufgeteilt. Prunkvolle Paläste und Moscheen zieren das Stadtbild. Was der durchschnittliche Moslem von diesem Reichtum erleben darf, ist das Gebet unter den Gewölben von materiellem Reichtum geschmückter Moscheen.

Um diese soziale Ungerechtigkeit zu verschleiern, wird hier ebenfalls ein äußerer Feind herangezogen, der gelegentlich zu Recht, oft aber zu Unrecht als Ursache aller vorhandenen Probleme genannt wird. Dies ist nur mit einer wissensfeindlichen und obrigkeitshörigen Haltung zu erklären, die allein den Islamprediger als einzige Autorität anerkennt und Diskurse als „fremd“ und „liberales Gedankengut“ bekämpft. Somit wird der vom Islam Unterdrückte zum größten Verfechter seiner eigenen Unterdrückung, ohne es zu begreifen. Der fanatische Glaube macht ihn selbst zum Schmied und Bewahrer seines Elends.

Die Expansion des Islam über die ganze Welt war bereits vor 1400 Jahren Mohammeds Ziel, da er den Islam als Nachfolgereligion aller ihm damals bekannten Monotheismen ansah.

Nie war es so leicht wie heute, könnte man meinen, eine solch intolerante Bewegung zu verbreiten. Bereitwillig wird mitten in Europa ein Vorwand erfunden, warum dies zu tolerieren sei. Die Kritik am islamischen Imperialismus gilt allgemein als Rassismus – was im geschichtlichen Kontext völlig absurd erscheint. Diverse in Europa ansässigen Gruppierungen und Ideologien scheinen im orthodoxen Islam einen Verbündeten gefunden zu haben, der ihnen in den letzten Jahrzehnten abhandenkam. Um den US-Imperialismus zu bekämpfen, wird der Islamismus als Partner bevorzugt, der heute ganz offen davon spricht, die Welt zu unterwerfen, sobald die Chancen dafür bestehen. Doch von Demokratie und Meinungs- wie auch Religionsfreiheit wird dann nicht mehr viel übrig bleiben.

Festzustellen ist das besonders hohe Interesse der Politik diverser europäischer Nationalstaaten mit vergleichsweise hohem Anteil muslimischer Zuwanderer, die eine entscheidende Rolle bei demokratischen Wahlen spielen. Als Ansprechpartner gelten hier wiederum orthodoxe Islamverbände, welchen zugestanden wird, die islamischen Kommunen zu repräsentieren. Als Klientel wird ihnen also eine gewisse Immunität in der Form der religiösen Propaganda gewährt. Um die Muslime als Wählerschicht zu gewinnen, werden sie nicht kritisiert, auch wenn es offensichtliche Gründe dafür gäbe (z.B. war in Österreich der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft „IGGIO“ daran beteiligt, ein aus demokratischer Sicht schwer bedenkliches islamisches Lehrbuch über zehn Jahre im Unterricht zugelassen zu haben, bis zufällig davon Kenntnis gewonnen wurde).

 

Der Blasphemie-Paragraf

Warum es also wichtig ist, ein Burka-Verbot auszusprechen, wird nun ganz klar. Als sichtbarstes Element des orthodoxen Islam wäre durch ein Verbot ein wichtiges Zeichen gesetzt worden. Eine klare Absage an die Intoleranz. Eine Absage an die offensichtliche Unterdrückung der islamischen Frau und an die religiöse Unmündigkeit der Muslime. Als weiterer Schritt wird es notwendig sein, der deutlich größeren Gruppe an säkular geprägten Menschen aus islamischen Herkunftsländern die Möglichkeiten und die Hilfe zu bieten, sich zu organisieren und der islamischen Orthodoxie gemeinsam mit den aufgeklärten Europäern entschieden entgegenzutreten. Bisher sind diese Hilfen lediglich den Islamverbänden sicher, da Religion, so bedenklich sie auch sein mag, staatlichen Schutz genießt und durch die sogenannten „Blasphemie-Paragrafen“ einen unantastbaren Status in unseren Demokratien erhält. Zwar ist es in der Regel kein Rassismus, intolerante Religionsvertreter abzulehnen, doch führt der „echte“ Rassismus dazu, auch die säkularen „Muslime“ davon abzuhalten, sich mit säkularen Europäern zusammenzutun und gemeinsam eine breite Front zu bilden. Ausgerechnet die intolerantesten Vertreter des Islam greifen nur zu gerne auf die „Rassismuskeule“ zurück, um jegliche Kritik an ihrer Vorgehensweise zu unterdrücken.

 

Der säkularisierte Muslim

Die Idee hinter dem „säkularisierten Muslim“ ist eine politisch relevante Gruppe, die ganz offen dem orthodoxen Islam entgegentritt – im Bekanntenkreis und darüber hinaus, ohne Angst davor zu haben, sich den irrsinnigsten Unterstellungen wie Rassismus ausgesetzt zu sehen. Hier sind wir alle aufgefordert, daran etwas zu ändern und zu beweisen, dass, wenn schon die Politik aus reinem Kalkül bedenkliche Strömungen fördert, wir selbst mündig und aufgeklärt genug sind, die Säkularisierung unter den Migranten zu erkennen und durch Solidarität ihren Nutzen für ein Überleben eines aufgeklärten Europas anzuerkennen. Denn ansonsten wirkt das Burka-Verbot wie reinste Augenauswischerei der hohen Politik, nur um Islamkritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, aber weiterhin die weniger sichtbaren, aber umso gefährlicheren Einflüsse, des radikal-orthodoxen Islams zu unterstützen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, und habe Mut, die säkularen Kräfte innerhalb der Migrantenszene als Bollwerk gegen die Islamisierung zu unterstützen.

www.exmuslime.at

 

Cahit Kaya (*5. Mai 1979 in der Türkei) ist in Vorarlberg aufgewachsen und Obmann des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE).


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2010)